Sport : Fehler im System

Die Eisbären kommen einfach nicht in Form – weil ihre neuen Spieler kaum Spielpraxis haben

Claus Vetter

Berlin - Die Zuschauer der Augsburger Panther wurden am späten Dienstagabend zu den Kassen gebeten. Wer wollte, konnte sich nach der 3:5-Heimniederlage des Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen Krefeld sein Eintrittsgeld auszahlen lassen. „Sieg oder Geld zurück“ – hieß die Aktion der Panther, die sich für 4284 Zuschauer auszahlte. Vielleicht hatten sich die Schwaben den falschen Gast ausgesucht, hätten bis zum 26. November warten müssen. Dann schauen die Eisbären im Curt-Frenzel-Stadion vorbei und die Berliner sind zurzeit in allen Stadien gern gesehen – so auch Dienstag in Ingolstadt, wo sie im ersten Spiel nach der Ligapause da weiter machten, wo sie vorher aufgehört hatten: mit einer Niederlage.

Es könnte sich verteidigend für die Berliner anführen lassen, dass sie beim Tabellenzweiten 1:4 verloren. Aber derlei Argumente können nicht gelten, ein zweifacher Deutscher Meister hat höhere Ansprüche. Nach 22 Spielen spricht wenig dafür, dass die Eisbären diesen genügen werden. Als Tabellenelfter sind sie nur noch vier Niederlagen von ihrer Gesamtstatistik der Hauptrunde der Vorsaison entfernt. Da hatten sie nach 52 Spieltagen 18 Mal verloren. Eine erschreckende Bilanz, weiß auch Peter John Lee. „Die Lage ist ernst, wer das verneint, der ist bescheuert“, sagt der Eisbären-Manager.

Vor einem Jahr schafften die damals nicht gut gestarteten Berliner nach der Pause im November die Wende und wurden am Ende der Hauptrunde sogar Erster. Damals allerdings hatten sich die Berliner als Mannschaft gefunden. Dass ihr Trainer Pierre Pagé nun bemängelt, dass seine neuen Spieler „das System nicht verstehen“, überrascht nicht. Verstärkten sich die Berliner während der Vorsaison mit einem durchtrainierten Deron Quint, der direkt aus der Schweiz kam, haben sie nun Personal angeheuert, das körperlich nicht in bester Verfassung sein kann: Verteidiger Jeff Jillson hat diese Saison vor seinem Eisbären-Debüt am 31. Oktober gar nicht gespielt, Rückkehrer Denis Pederson und Kyle Wharton hatten vor ihrem ersten Einsatz am Dienstag gerade einmal in der American Hockey-League gespielt.

Bis die Verstärkungen zu Verstärkungen werden, könnte zu viel Zeit vergangen sein, zumal die Eisbären um die Weihnachtszeit am Spengler-Cup teilnehmen. Angesichts der momentanen Misere wohl eher eine Bürde als eine Freude. Lee will es nicht so sehen. „Wir brauchen mehr Training, dann wird das noch etwas“, sagt er. „Es ist ja noch nicht April.“ Dann finden die Endspiele der DEL statt. Wenn die Eisbären dann mal nicht schon im Urlaub sind. Immerhin, ganz so lustig ist ihnen in ihrer Krise nicht zumute. So eine Aktion wie in Augsburg werde es in Berlin nicht geben, sagt Lee. „Unsere Spieler sind Profis, und die sollen ihre Leistung bringen.“

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