Fehler in der ARD : Was Andreas Baader mit Kurt Brumme zu tun hat - oder nicht

Fußballgeschichtsverfälschung in der ARD: Im Zweiteiler "Baader Meinhof Komplex" lief eine legendäre Radioreportage - die aus der Zeit gefallen war.

Mark Diening

Zugegeben: Sie haben beide Geschichte geschrieben. Deutsche Geschichte. Andreas Baader und Kurt Brumme. Der eine als Begründer der Roten-Armee-Fraktion, RAF. Der andere als „the voice of germany“, wie Muhammad Ali den Hörfunkreporter vom WDR mal nannte. Der eine war Kopf einer terroristischen Vereinigung, der andere eine Reporterlegende. Im Fernseh-Zweiteiler des Films „Der Baader Meinhof Komplex“ treffen beide am Sonntag und Montag in der ARD posthum aufeinander.

Zu Unrecht! Der Film verfälscht Geschichte: Er zeigt unter anderem die Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser in Frankfurt am Main, die in der Nacht zum 3. April 1968 verübt werden. Soweit stimmen Film und Realität überein. Doch während im Film die Brandsätze für die Attentate vorbereitet werden, läuft im Hintergrund das Radio. Und Kurt Brumme kommentiert. Und zwar ein Spiel, das wahrlich Geschichte geschrieben hat. Ein Spiel, in dem „Beckenbauer genau einarmig ist“. Ein Spiel, in dem sich Brumme angesichts der Schwalben fragt, ob der am Boden liegende Kicker „wohl durchkommen wird“. Ein Spiel, in dem Gerd Müller „im Hechtsprung durch drei Italiener hindurch“ ein Tor erzielt.

Es ist DAS Spiel: Das WM-Halbfinale zwischen Italien und Deutschland (4:3 n.V.), ausgetragen am 17. Juni 1970 in Mexiko-City. Noch heute erinnert eine Tafel vor dem Azteken-Stadion an das „Jahrhundert-Spiel“. Diese Hitzeschlacht und die dazu gehörige „Jahrhundert-Reportage“ in den Winter 1968 zu verlegen, wie es der RAF-Film tut ... - man möchte es mit Kurt Brumme sagen: „Das können die Nerven normaler Schlachtenbummler gar nicht mehr ertragen.“

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