Sport : Fehler ohne Folgen

Warum Unions Fußball-Torhüter Robert Wulnikowski trotz Krise in Nürnberg im Tor steht

André Görke

Berlin. Mirko Votava lacht nur. Laut und abfällig. Was für eine Frage! „Soll ich den Robert auf die Bank setzen, oder was?“ Der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union kann Diskussionen über sein Personal nicht leiden, und die über seinen Torhüter Robert Wulnikowski erst recht nicht.

Aber so geht es seit Tagen, oder besser: seit eineinhalb Wochen. Da kassierte der Torhüter des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union fünf Tore im DFB-Pokal gegen Bayer Leverkusen. Drei dieser Tore nahm Wulnikowski später „auf meine Kappe“, entschuldigte sich artig bei den Zuschauern und leistete sich fünf Tage später doch wieder einen schweren Fehler: Gegen Alemannia Aachen flutschte ihm ein Eckball ins Tor.

Wie oft darf sich ein Torhüter solche Fehler erlauben? Und vor allem: wie lange? Wenn der 1. FC Union heute Nachmittag (15 Uhr) im Frankenstadion beim Bundesligaabsteiger 1. FC Nürnberg antritt, dann wird Wulnikowski trotz dieser Fehler im Tor stehen und Simon Henzler wie immer auf der Ersatzbank sitzen. „Robert hat in den Spielen zuvor sehr gut gehalten“, sagt Votava. „Also hat er mein Vertrauen.“

Votavas Haltung ist durchaus nachzuvollziehen. Der 1. FC Union lag vor dem Spiel gegen Aachen neun Wochen auf einem Abstiegsplatz und kassierte in diesen neun Spielen doch nur zehn Tore. Das spricht für eine gut organisierte Abwehrformation und somit auch für Wulnikowski. Nach dem 1:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld vor zwei Wochen ernannte ihn die Fachzeitschrift „Kicker“ sogar zum Spieler des Spieltages.

Jetzt aber steckt der Torwart das erste Mal in der Krise. Wie wird er darauf reagieren? Nach dem frühen Gegentor gegen Aachen drehte die Mannschaft das Spiel noch herum und gewann am Ende 2:1. Wulnikowski war die Erleichterung nach dem Abpfiff anzusehen, er bedankte sich bei jedem Kollegen und stand applaudierend vor der Fankurve. Was aber, wenn die Mannschaft durch ein solches Tor verliert? Über drei Jahre war Wulnikowski nur die Nummer zwei bei Union, da hat er auf Fehler des Stammtorhüters Sven Beuckert gewartet. Jetzt steht er erstmals selbst unter diesem Druck. Und hinter ihm wartet Simon Henzler.

Unions Ersatztorhüter kam vor der Saison von Arminia Bielefeld. In Berlin hoffte er auf einen Stammplatz, durfte bisher aber nur einmal im Tor stehen, weil Wulnikowski mit einer Grippe im Bett lag. In Trier war das, als Union sich vor drei Wochen ein 1:1 erkämpfte. Henzler machte seinen Job überaus gut: Er wirkte ruhig und diszipliniert, und als Wulnikowski wieder gesund war, setzte er sich ohne zu maulen auf die Bank. Diese Professionalität kam bei Votava an.

Auf keiner Position ist der Kader ähnlich ausgeglichen wie auf der des Torhüters. Man muss das nur mal mit anderen Mannschaftsteilen vergleichen: Seit Wochen fällt Unions Spielmacher Kostadin Widolow wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel aus, den Belastungstest vor dem heutigen Spiel hat er nicht bestanden. An seinem Ausfall krankt somit die Kreativität der Berliner. Er ist nicht der Einzige, der fehlt: Daniel Ernemann laboriert an einer Bänderdehnung im Knie, Jiri Balcarek (Knöcheloperation) und Ivan Kozak (Fersenbeinbruch) fallen noch länger aus. Und Björn Joppe und Silvio Pätz sitzen in Nürnberg auf der Tribüne, weil sie gesperrt sind. Votava sagt, dass sein Kader viel zu klein sei. „Das ist ein Problem.“ Mit einem verunsicherten Torhüter möchte er nicht auch noch zu tun haben.

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