Sport : Fehler- statt Viererkette

Magaths Team von Schalke 04 wirkt nach den beiden Auftaktniederlagen wie ein großes Provisorium

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
Rolle rückwärts. Auch Schalkes Neuverpflichtung Raul konnte den Fehlstart in der Bundesliga nicht verhindern. Foto: dpa
Rolle rückwärts. Auch Schalkes Neuverpflichtung Raul konnte den Fehlstart in der Bundesliga nicht verhindern. Foto: dpaFoto: dpa

Schon die nackten Ergebnisse sind schlimm für Schalke 04: Der Meisterschaftszweite des Vorjahres hat seine Heimpremiere gegen Hannover 96 mit 1:2 verloren, zusammen mit der Auftaktniederlage in Hamburg (1:2), dem dürftigen Erstrundenspiel im Pokal, ergibt das einen simplen Fehlstart und den ersten Krisenherd der Bundesliga. Was aber noch schwerer wiegt als die Zahlen der Eröffnungsbilanz: die geringe spielerische Qualität.

Es fehlt an Input, Impulsen und Ideen im Spiel nach vorne. Das Bemühen der offensiven Mittelfeldspieler Baumjohann und Farfan blieb im Versuch stecken. Dieser Teil der Mängelliste ist allerdings nicht neu. Erschwerend kommt aber nun ein Verlust an Klasse hinzu, der aus Schalker Sicht besorgniserregend wirkt. Neuerdings hat Nationaltorwart Manuel Neuer statt einer funktionierenden Vierer- eine Fehlerkette vor sich. Das wurde nicht nur bei den Gegentoren von Konstantin Rausch und Mohammed Abdellaoue deutlich, denen Jermaine Jones nur noch den Anschlusstreffer entgegenzusetzen vermochte. Auch bei einer Reihe von Gegenangriffen, die folgenlos blieben, stellte Hannover die Abwehr der Heimelf bloß. Die Defensive macht bei Schalke seit langem den Unterschied aus, gerade in Spielen mit knappem Ausgang. Das ist immer noch so, inzwischen aber mit umgekehrten Vorzeichen.

Exemplarisch für den Niedergang des vormals stärksten Mannschaftsteils steht ausgerechnet der Mann, den Magath als neuen Abwehrchef verpflichtet hat. Der frühere Nationalspieler Christoph Metzelder wirkt im Zentrum der Verteidigungslinie überfordert und hat zudem das Pech, dass seine Fehler besonders ins Auge fallen. Auch gegen Hannover gab er keine gute Figur ab. Und bekam diesen Befund sogar von Magath öffentlich bestätigt. „Er hat keine gute Phase und wirkt verunsichert“, sagt der Trainer. „Wenn ein 29-Jähriger, der die Abwehr stabilisieren soll, ausfällt, ist es auch für die übrigen Spieler schwer.“

Schon fragen nicht nur notorische Nörgler, ob es richtig war, sich von Abwehrkräften wie Bordon, Westermann und Rafinha zu trennen. Magath entgegnet, er könne „nicht aus Angst, dass etwas schiefgehen könnte, alles so belassen, wie es ist“. Als Manager hat er versucht, durch diese Transfers und die damit verbundenen Einsparungen beim Gehalt Mittel zu erwirtschaften, die er als Trainer für eine Stärkung der Offensive benötigt. Nach den ersten Spielen steht Magath da wie ein lange erfolgreicher Börsen-Guru, den das Glück verlassen hat. Er probiert alles Mögliche aus und weckt Zweifel, ob er wirklich so strategisch vorgeht, wie alle glauben.

Drei Tage vor Ablauf der Sommertransferperiode wirkt Schalke wie ein großes Provisorium, das nach der Devise „Trial and Error“ verändert wird; auch die Möglichkeit von Fehlschlägen wird in Kauf genommen. Gegen Hannover debütierte Hans Sarpei, ein von Bayer Leverkusen ausgemusterter Außenverteidiger von 34 Jahren, weil andere Kandidaten wie der spanische Junioren-Nationalspieler Escudero oder der vor ein paar Monaten noch als Entdeckung gefeierte Lukas Schmitz den Ansprüchen offenbar nicht genügen. Wie Mittelfeldtalent Christoph Moritz zählte Schmitz gegen Hannover nicht einmal zum Aufgebot. Aus der jungen Garde der Vorsaison ist nur Joel Matip übrig geblieben, der als Vertreter des gesperrten Höwedes neben Metzelder einige Male in Turbulenzen geriet.

Ist Magath mit seinem Schalker Latein am Ende? „Wir kriegen das in den Griff“, sagt er und ist überzeugt, auf der Zielgeraden der Transferperiode etwas zu bewegen. Es fehlt nicht an Kandidaten, die das Vakuum in Mittelfeld und Angriff mit Leben oder gar Spielwitz füllen sollen: Huntelaar, van der Vaart, Jurado, Misimovic und wie sie alle heißen – bis Dienstag ist dem Manager noch einiges zuzutrauen.

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