Sport : Fehlerhafter Rhythmus

Topalow verliert bei Schach-WM die zehnte Partie

Martin Breutigam

Berlin - Weshalb er nicht von Anfang an fehlerloses Schach gespielt habe, wisse er selber nicht genau, sagte Wesselin Topalow nach seinem Sieg in der neunten Weltmeisterschaftspartie gegen Wladimir Kramnik in Elista/Russland. „Ich habe endlich meinen Rhythmus gefunden und spiele jetzt schnell, selbstbewusst und stark“, sagte Topalow dann aber auch noch. Der Bulgare hat seine Situation durch zwei Siege in Folge deutlich verbessert. Gestern jedoch, in der zehnten Partie, unterlief Wesselin Topalow ein schwerer Fehler, den sein Gegner nach 43 Zügen zum 5:5-Ausgleich nutzte.

An den Tagen zuvor hatte Kramnik, der seit dem Toiletten-Eklat nach der vierten Runde unter Protest antritt, einen vergleichsweise uninspirierten Eindruck gemacht. Er haderte nach der neunten Runde vor allem mit seiner Eröffnungsvorbereitung: „Es wäre schön, wenn ich auch einmal mit einer guten Stellung aus der Eröffnung käme.“

NOTATION: Topalow - Kramnik

(9. WM-Partie).

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3 Lf5 5.Sc3 e6 6.Sh4 Lg6 7.Sxg6 hxg6 8.a3 Sbd7 9.g3 Le7 10.f4 (In Verbindung mit 8.a3 ein neuer Ansatz, diese aus schwarzer Sicht grundsolide Variante des slawischen Damengambits auszuhebeln. Topalow sagte, die Idee sei in Elista von seinem spanischen Sekundanten Vallejo Pons ausgearbeitet worden. Weiß möchte als Nächstes c4-c5 spielen und Schwarz damit die üblichen Möglichkeiten zum Gegenspiel nehmen, nämlich ...e5 und ....c5.) 10...dxc4 (Kramnik überlässt Weiß überraschend das Zentrum. Offenbar konnte er sich nicht mit der perspektivlosen Stellung nach 10...0–0? 11.c5 b6 12.b4 a5 13.Ld2 anfreunden, dann hätte der Bauer c5 Weiß ewigen Raumvorteil am Damenflügel gesichert; und obendrein drohte auf der anderen Seite beizeiten ein Angriff mit Lf1–d3 und h4-h5. In Betracht kam aber 10...Se4!? 11.Sxe4 dxe4 12.Dc2 f5 und in Bälde die lange Rochade.) 11.Lxc4 0–0? (Nach dieser Sorglosigkeit wird Schwarz das weiße Bauernzentrum kaum noch ernsthaft unter Druck setzen können. Interessant wäre das Bauernopfer 11...c5! 12.d5 Sb6!? gewesen; nach der daraufhin nahezu forcierten Folge 13.Lb5+ Kf8 14.dxe6 Dxd1+ 15.Sxd1 c4! 16.exf7 Kxf7 droht Schwarz 17...a6 und hätte freies Figurenspiel.) 12.e4! b5 (Falls hier oder in den nächsten Zügen 12...c5, folgt jeweils e4-e5, mit weißem Vorteil.) 13.Le2 b4 14.axb4 Lxb4 15.Lf3 Db6 16.0–0 e5 17.Le3 Tad8 (Darauf hatte sich Kramnik offenbar verlassen.) 18.Sa4! (Viel stärker als 18.fxe5 Sxe5. Hinterher sagte Kramnik, die Partie sei bereits hier verloren gewesen. Während er nun wieder lange nachdachte, verbrauchte Topalow in dieser Phase für jeden seiner Züge kaum mehr als zwei Minuten.) 18...Db8 19.Dc2 exf4 (Auch nach 19...exd4 20.Lxd4 wäre Weiß klar im Vorteil, wegen seines Raumvorteils, der gesünderen Bauernstruktur und des Läuferpaars; z.B. 20...Sb6 21.Lf2 Sxa4 22.Dxa4 a5 23.e5 Sd5 24.Dxc6.) 20.Lxf4 Db7 21.Tad1 Tfe8 22.Lg5 Le7 23.Kh1 Sh7 24.Le3 Lg5 25.Lg1 (Topalow gönnt Kramnik keine Entlastung durch Figurentausch.) 25...Shf8 26.h4 Le7 27.e5 Sb8 28.Sc3 Lb4 29.Dg2! (Weiß überstürzt nichts, sondern lässt vorerst alle Drohungen in der Stellung, täuscht mal hier und da etwas an. Kramnik muss sich also stets mit den Vorstößen d4-d5 und h4-h5 beschäftigen, langfristig ist aber der heillos schwache Punkt f7 sein größtes Problem.) 29...Dc8 30.Tc1 Lxc3 (Dieser Abtausch ist von einigen Experten kritisiert worden; doch verständlicherweise wollte Kramnik nicht auch noch den Springer nach e4 kommen lassen.) 31.bxc3 Se6 32.Lg4 Dc7 33.Tcd1 Sd7 34.Da2 Sb6 35.Tf3 Sf8? (Beschleunigt den unvermeidlichen Untergang.) 36.Tdf1 Te7 37.Le3! (Mit der offensichtlichen Idee: 38.Lg5.) 37...Sh7 38.Txf7! Sd5 (Oder 38...Txf7 39.Txf7 Dxf7 40.Le6.) 39.T7f3 1:0.

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