Fehlstart des 1. FC Union : Uwe Neuhaus und die Sofortmaßnahmen

Der 1. FC Union hat im ersten Saisonspiel gegen den VfL Bochum enttäuscht. Damit sich der Fehlstart nicht weiter auswächst, greift Trainer Uwe Neuhaus sofort zu besonderen Maßnahmen.

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Kampf und Keule. Union legte gegen den VfL Bochum einen bitteren Start in die Saison hin.
Kampf und Keule. Union legte gegen den VfL Bochum einen bitteren Start in die Saison hin.Foto: dpa

Am Tag nach den Spielen fahren die Fußballer des 1. FC Union für gewöhnlich auf Fahrrädern durch die Wuhlheide, der Regeneration wegen. So war es auch am Montag, nur ging es danach nicht wie oft üblich unter die Dusche und anschließend nach Hause. Trainer Uwe Neuhaus bat zum ausgiebigen Videostudium, die 1:2-Niederlage gegen den VfL Bochum wollte sofort aufgearbeitet werden.

Mancher Spieler hätte sich dabei wohl lieber wieder aufs Fahrrad geschwungen, für den ein oder anderen dürfte die Analyse wenig erfreulich ausgefallen sein. Allen voran Daniel Haas und Mario Eggimann. Mit ihren groben individuellen Fehlern trugen sie maßgeblich zum Fehlstart des Berliner Zweitligisten in die neue Saison bei. Zuerst patzte Torhüter Haas bei einem Schuss von Danny Latza aus 33 Metern, dann unterlief Abwehrchef Eggimann zwei Minuten vor Schluss ein ebenso überflüssiges wie offensichtliches Handspiel im eigenen Strafraum. Marcel Maltritz verwandelte sicher und machte damit Damir Kreilachs kurz zuvor erzielten Ausgleich wieder nichtig.

Irgendwie ging an diesem hochsommerlichen Sonntagnachmittag aus Berliner Sicht alles schief. Die Niederlage kam für viele unerwartet, sie wollte so gar nicht zur überschwänglichen Euphorie passen, die nach dem 3:0-Sieg im letzten ernsthaften Test gegen Celtic Glasgow ausgebrochen war. Seinerzeit gab lediglich Uwe Neuhaus den Mahner. Nur wollte ihm kaum jemand außerhalb des Klubs glauben. Zu eindrucksvoll war der Sieg gegen den schottischen Meister, zu vielversprechend verlief die Vorbereitung, welche Union ohne Niederlage überstand. Neuhaus wirkte da wie ein zu Höchstform auflaufender Berufspessimist. Was sollte er auch anderes sagen? Dass seine Mannschaft den Gegner mit drei Toren Unterschied vom Platz fegen würde?

Dabei war eine kleine Warnung durchaus angebracht. Im Vorjahr hatte der 1. FC Union die Vorbereitung auch ohne Niederlage überstanden, nur um anschließend den Start in die Saison völlig zu verpatzen. Von den ersten fünf Spielen konnte man kein einziges gewinnen. Das muss in diesem Jahr nicht zwangsläufig so kommen, Neuhaus sieht seine Mannschaft mental gefestigt. „Das wird uns nicht umstoßen. Wir machen uns nicht verrückt, sondern arbeiten vernünftig weiter und versuchen, in Bielefeld zurückzukommen.“ Bereits am Freitag gastieren die Berliner beim Aufsteiger in Ostwestfalen. Bielefeld steht am zweiten Spieltag ebenfalls schon unter Druck, sie verloren am Sonntag 0:2 bei Greuther Fürth.

Kapitän Torsten Mattuschka war ebenfalls bemüht, der Niederlage nicht zu viel Gewicht beizumessen. „Natürlich haben wir uns das anders vorgestellt, aber so ist das nun mal. Wir können jetzt nicht zu lange darüber nachdenken, sondern müssen uns auf Bielefeld konzentrieren.“

Nur Mario Eggimann wirkte etwas nachdenklicher. Er erklärte die lange Zeit verkrampfte Vorstellung seiner Mannschaft zumindest teilweise mit der gestiegenen Erwartungshaltung. „Vielleicht haben wir uns vorher schon zu viel Druck gemacht“, sagte Eggimann. „Wir waren alle sehr heiß und wollten uns beweisen.“ Trainer Uwe Neuhaus wollte dem weder zustimmen noch widersprechen, für ihn lag der Grund der Niederlage einfach darin, dass „Genauigkeit und Präzision aus der Vorbereitung gefehlt haben“. Dass sein Team unter der gestiegenen Erwartungshaltung leidet, wies Neuhaus zurück.

Unions Trainer musste am Sonntag neben dem 1:2 auch den Verlust seiner durchweg positiven Bilanz gegen seinen alten Trainer Peter Neururer beklagen. Neururer hatte mit seinen Mannschaften bis zum Sonntag nie im Stadion An der Alten Försterei gewinnen können. Seinen ersten Sieg feierte er mit einer Mischung aus Selbstironie und echter Freude. „Das ist ein sporthistorischer Moment“, sagte Neururer.

Seine Spieler dürften bei der Videoanalyse deutlich mehr Spaß gehabt haben als ihre Berliner Kollegen.

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