Fehlstart in die Saison : Unions Pokal-Aus in Halle: Knall und Trauma

Der 1. FC Union enttäuscht beim Pokal-Aus gegen Regionalliga-Vertreter Halle. Zum Zweitligastart am kommenden Freitag bei Alemannia Aachen müssen sich die Köpenicker beträchtlich steigern

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Passivraucher. Unions Torhüter Jan Glinker spielte weiter, obwohl hinter ihm ein Feuerwerkskörper explodiert war.
Passivraucher. Unions Torhüter Jan Glinker spielte weiter, obwohl hinter ihm ein Feuerwerkskörper explodiert war.Foto: Matthias Koch

Mit finsterem Blick bahnte sich Uwe Neuhaus seinen Weg durch die Katakomben der Leipziger Arena. Der Trainer des 1. FC Union sah derart übel gelaunt aus, dass sich niemand der umherstehenden Leute traute, ihn anzusprechen. Neuhaus war bedient, wie sollte er da auch ein Lächeln vorbringen? Seine Mannschaft hatte sich gerade gegen den Halleschen FC blamiert, die 0:1 (0:1)-Niederlage gegen den Regionalligisten bedeutete das Aus in der ersten Runde des DFB-Pokals.

Die 250 000 Euro, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) für das Erreichen der zweiten Runde zahlt, hätte der Klub gut gebrauchen können. „Wir haben eine riesige Chance vergeben, eine Runde weiter zu kommen und für den Verein Geld zu verdienen“, sagte Unions Kapitän Torsten Mattuschka. Nicht nur das: Union hat mit der Niederlage gegen den Viertligisten vor allem die Möglichkeit vergeben, sich Selbstvertrauen für den Saisonstart am Freitag zu holen. In Aachen starten die Berliner dann in ihre zweite Zweitligasaison, der Gegner Alemannia Aachen besitzt eine andere Qualität als die fußballerisch limitierte Mannschaft des Halleschen FC. „In Aachen müssen wir ganz anders auftreten“, forderte Jerome Polenz vor dem Spiel gegen seinen alten Verein. „Die Art und Weise, wie wir gegen Halle gespielt haben, war enttäuschend. Wir haben zu wenig Zweikämpfe gewonnen und dadurch keine Akzente gesetzt.“

Damit hatte der Zugang recht, auch wenn die Analyse auf seine eigene Leistung nur bedingt zutrifft. Polenz zählte noch zu den auffälligsten Spielern in einer Mannschaft, die ansonsten ziemlich einfallslos spielte. Schon in der Vorbereitung hatte sich angedeutet, dass Union vor allem gegen sehr kompakt auftretende Teams Probleme hat, Tore zu erzielen. Gegen Halle änderte sich das nicht. Sturmspitze John Jairo Mosquera war zwar bemüht, doch der Kolumbianer rieb sich in vielen Zweikämpfen so sehr auf, dass ihm am Ende die Kraft beim Abschluss fehlte. Die anderen Offensivkräfte Ede, Kolk und Brunnemann blieben ebenso wirkungslos. „Wir müssen das Spiel so schnell wie möglich abhaken und unseren Blick auf Freitag richten“, sagte Torsten Mattuschka.

Uwe Neuhaus hat durch die Zugänge in dieser Saison mehr Optionen. Gut möglich, dass Unions Trainer für das Spiel in Aachen den ein oder anderen personellen Wechsel vornimmt. Jan Glinker hat seinen Platz im Tor dagegen sicher, am Gegentreffer durch Halles Christoph Klippel war er schuldlos. Später stand Unions Torhüter aber doch noch einmal im Mittelpunkt: Ein Knallkörper aus dem Hallenser Fanblock explodierte direkt hinter ihm, Schiedsrichter Peter Sippel unterbrach das Spiel daraufhin für einige Minuten. Trotz der großen Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld drohte die zuvor friedliche Atmosphäre im Leipziger Stadion zu kippen.

„Das ist für uns völlig unverständlich und in keiner Weise zu tolerieren“, sagte Halles Vizepräsident Jörg Sitte über den Vorfall. „Da der Schiedsrichter das Spiel unterbrechen musste, hat er auch einen Vermerk im Spielbericht gemacht.“ Für den Halleschen FC könnte damit eine Geldstrafe fällig werden. Das Verhalten von Jan Glinker war für Sitte dagegen „vorbildlich“. Unions Torhüter hatte trotz Schmerzen am Ohr weitergespielt und keinen Spielabbruch gefordert. „Er verdient einen Fairnesspreis“, sagte Sitte. „Das hätte nicht jeder gemacht, immerhin lag Union ja zu diesem Zeitpunkt zurück.“ Was Glinkers Gesundheitszustand angeht, gab der Klub gestern Entwarnung. Schon auf der Rückfahrt von Leipzig soll wieder alles in Ordnung gewesen sein. Zumindest eine Tatsache, die die Laune von Uwe Neuhaus wieder ein bisschen bessern dürfte.

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