Sport : Feierlich ins Chaos

2:4 gegen Straubing: Vor den Augen ihres Eigners Anschutz rutschen die Eisbären auf den letzten Platz.

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Heile Welt nur vor dem Spiel. Nancy Anschutz (li. neben Klaus Wowereit) überreicht Florian Busch seinen Meisterring. Foto: City-Press
Heile Welt nur vor dem Spiel. Nancy Anschutz (li. neben Klaus Wowereit) überreicht Florian Busch seinen Meisterring. Foto:...Foto: City-Press GbR

Berlin - Der Chef war da. Und entsprechend zum feierlichen Rahmenprogramm des Spiels der Eisbären gegen Straubing war die Arena am Ostbahnhof auch fast voll. 13 900 Zuschauer sahen gemeinsam mit Klub-Eigner Philip Anschutz, wie dessen Gattin Nancy abwechselnd mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit den Meister der vergangenen Saison ehrte. Es gab die so genannten Meisterringe für die Profis der Eisbären und es wurde ein weiterer Meisterbanner unter die Hallendecke gezogen. Danach gab es dann noch ein Eishockeyspiel, das mit der im April errungenen Meisterschaft der Eisbären nichts zu tun hatte. Und was als Meisterfeier begonnen hatte, endete für die Eisbären mit dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz am 11. Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Das 2:4 (1:2, 1:1, 0:1) gegen die Straubing Tigers war für die Berliner der vorläufige Tiefpunkt einer unfassbar schwachen Saison des Meisters.

Nach dem Spiel versteckten sich Spieler und Trainer der Eisbären minutenlang in der Kabine. Diskutierten lange, wie Jens Baxmann berichtete. Der Berliner Verteidiger sagte: „Wenn die Eisbären Tabellenletzter sind, dann muss man anfangen, sich Sorgen zu machen.“ So sieht es aus, zumal Trainer Jeff Tomlinson und seine Spieler am Sonntagabend geschockt wirkten und mit leeren Gesichtern in Erklärungsnotstand kamen. Sie fühlen sich bei den Berlinern überfallen von der Krise.

Dabei hatten sie sich viel vorgenommen, wollten Eigner Anschütz schön etwas vorspielen. Doch es funktionierte nicht, die Spitzenbesetzung auf der Tribüne sah ein von Berliner Seite emotionslos geführtes Rumpelspiel. Dazu kam noch die angespannte Stimmung in der Halle. Die Fankurve der Eisbären nutzte die Anwesenheit des aus den USA angereisten Eigners, um ihre Unzufriedenheit über diverse Dinge rund um den Klub kund zu tun. Auf einem im ersten Drittel gehissten Banner stand geschrieben: „Phil: we need to talk to you“. Es besteht Redebedarf aus Sicht der Anhänger, die auch noch einen offenen Brief an Anschutz geschrieben haben. Sie hätten den Eindruck „abgeschoben zu werden“, weil unter anderem die Fanbögen – der Anhängertreff nahe der Halle– in Zukunft wohl weichen müssen.

Was die Profis der Eisbären derweil auf dem Eis ablieferten, war ebenfalls wenig amüsant. Zwar gingen die Berliner durch ein Tor von Julian Talbot in Führung, doch dann rannten sie nach Gegentoren von Tobias Wörle und Blaine Down schon nach dem ersten Drittel einem Rückstand hinterher. René Röthke erhöhte sogar noch auf 3:1 für die Bayern, bevor dem guten jungen Verteidiger Alex Trivellato sein erster DEL-Treffer gelang.

Die Eisbären waren damit in der Live-Tabelle auf den letzten Platz abgerutscht, von den Rängen schallte es: „Wir haben die Rote Laterne“. Das an der Hallendecke prangende Banner mit der Aufschrift „Deutscher Meister 2013“ wirkte wie ein Ballast für die Berliner Spieler auf dem Eis, deren Selbstbewusstsein immer weiter zu schrumpfen schien. Nachdem Trainer Tomlinson Torwart Rob Zepp zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis genommen hatte, traf Laurent Meunier zum 4:2 für die Straubinger, die damit ihren letzten Platz an die Berliner abgegeben hatten.

Mit Spielende gab es ein gellendes Pfeifkonzert. Kein schöner Tag für Anschutz und seine Eisbären, deren Trainer weit nach Spielschluss schließlich noch die Mentalität seines Teams anprangerte. Jeff Tomlinson sagte, seine Spieler seien wohl im Kopf mit der Einstellung ins Spiel gegangen: „Wir sind zu Hause. Wir sind die Eisbären. Da ist das alles ganz leicht.“ Aber so gehe es eben nicht. Vielleicht sei es ja ganz gut, wenn sich die Spieler und ihr Trainer am Montag nicht sehen müssten, sagte derweil Jens Baxmann. „Alle müssen erst einmal den Kopf freibekommen.“

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