Sport : Feiern im Container

Eishockey am Festtag – den Amerikanern der Berliner Eisbären gefällt das gar nicht

Claus Vetter

Berlin. Die Bescherung gibt es für die Spieler des EHC Eisbären in Ingolstadt. Direkt auf dem Eis. Denn am 25. Dezember müssen die Berliner beim Aufsteiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) antreten. Ausgerechnet an dem Tag, an dem es in Nordamerika besonders feierlich wird. Denn in Übersee werden die Weihnachtspräsente einen Tag später als in Mitteleuropa übergeben. Die Vorfreude bei den zwölf Nordamerikanern der Eisbären fällt da auf den weihnachtlichen Trip nach Nordbayern gering aus. Wenn die Lieben daheim ihre Präsente auspacken, sind die Berliner Spieler schon in der Luft. Abflug nach München ist um 10 Uhr.

Dass in der DEL am ersten Weihnachtstag gespielt wird, ist eine Premiere. Bisher ging es erst am 26. Dezember aufs Eis. Wer also hatte die Idee mit den eisigen Weihnachten? „An und um die Festtage herum strömen erfahrungsgemäß viele Zuschauer in die Stadien“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Daher sei der Terminplan zwischen Weihnachten und Neujahr enger als sonst. Außerdem hätte sich der 26. Dezember diesmal nicht angeboten, weil der 27. auf einen Freitag fällt. Ein Wochentag, an dem in der DEL traditionell gespielt wird.

Der Kanadier Peter John Lee hat dafür kein Verständnis. „Selbst in der nordamerikanischen Profiliga NHL wird am 25. Dezember nicht gespielt", sagt der Manager der Eisbären. „Dabei haben dort die Spieler sonst nur einen Tag im Monat frei. Wir haben versucht, das Spiel zu verlegen. Aber Ingolstadt wollte das partout nicht.“ Er habe viel Überzeugungsarbeit bei seiner Mannschaft leisten müssen. „Ich habe mit den Spielern gesprochen, die haben es nicht einfach, ihre Familien sind frustriert. Die meisten Spieler sind sauer auf die Liga.“

Nicht nur die, auch bei den Betreuern der Eisbären ist der Gedanke an das ungemütlichste DEL-Stadion ein trauriger. „In Ingolstadt müssen sich unsere Spieler in engen Containern außerhalb der Halle umziehen und sich durch die Kälte auf den Weg ins Stadion machen", sagt Kotrainer Hartmut Nickel. „Und das alles, wenn andere vor dem Kaminfeuer sitzen? Das ist doch Unsinn.“ Immerhin haben die Eisbären im Hotel ein Festessen organisiert. „Denn leider bekommen wir am Abend keinen Rückflug ", sagt Lee.

Ein schauerliches Weihnachtsmärchen. Oder doch nicht? Denn Ricard Persson zeigt sich unberührt. „Für mich ist Weihnachten am 24. Dezember", sagt der schwedische Verteidiger der Eisbären. „Wir werden fürs Eishockeyspielen bezahlt. Wenn ich am 25. Weihnachten feiern möchte, dann muss ich eben keinen Vertrag in der DEL unterschreiben.“ Was für ein kalter Schwede.

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