Sport : Feiern und schweigen

Hertha bejubelt sich ein letztes Mal, forciert den Transfer von Andreas Ottl und verspricht, ein interessanter Aufsteiger zu sein

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Liegen und warten. Andreas Ottl, der jahrelang beim FC Bayern München im Kader stand, wird vermutlich in den nächsten Tagen zu Hertha BSC nach Berlin wechseln. Foto: dapd Foto: dapd
Liegen und warten. Andreas Ottl, der jahrelang beim FC Bayern München im Kader stand, wird vermutlich in den nächsten Tagen zu...Foto: dapd

Berlin - So ein Aufstieg kann schon mal die Zunge lockern. Ein wenig irritiert hat der Führungszirkel bei Hertha BSC zur Kenntnis genommen, wie offensiv der Trainer die angestrebte Verpflichtung des Münchners Andreas Ottl ausplauderte. Das ging ungefähr so: „Der Andi weiß ja, wie gern wir ihn haben möchten.“ So fröhlich und zuversichtlich, wie Markus Babbel dabei in die Runde lachte, ließ das nur eine Interpretation zu: Die Sache mit Ottl ist perfekt. Darauf angesprochen, heißt es bei Hertha sinngemäß, diese Frage möge man dem Trainer doch bitte stellen, wenn das Geschäft nicht zustande komme sollte.

In der Causa Ottl gibt sich der Zweitligameister recht einsilbig. Ja, der Medizincheck sei am Montag in Berlin absolviert worden und der Transfer auf einem guten Weg. Nein, perfekt sei noch nichts. Weil nun Herthas Kapazitäten zurzeit am Ballermann bei der großen Aufstiegssause gebunden sind, wird es in dieser Woche wohl auch nichts mehr werden. Es geht vor allem um finanzielle Details. Ottl ist beim FC Bayern einen Standard gewohnt, den Hertha nicht bieten kann, nicht bieten will. Anders als Herthas künftiger Torhüter Thomas Kraft, der in dieser Rückrunde bei den Bayern für ein paar Wochen groß herauskam, gehört Ottl schon länger zum Münchner Establishment. Der 1. FC Nürnberg hätte vor einem Jahr gern das vorherige Leihgeschäft mit dem FC Bayern in eine Festanstellung umgewandelt. Es wird seine Gründe haben, dass Ottl sich lieber in München auf die Bank setzte, als in Nürnberg zum Führungsspieler aufzusteigen.

Bei Hertha soll er ein Problem lösen, das es im der abgelaufenen Saison gar nicht gab. Auf Ottls Position im zentralen defensiven Mittelfeld war Peter Niemeyer eine der prägenden Persönlichkeiten des Aufstiegs, der ebenfalls dort beheimatete Fabian Lustenberger gilt als der taktisch beste Spieler im Kader, und den Brasilianer Raffael sieht Babbel auch gern weiter zurückgezogen. Doch die Bundesliga stellt andere Anforderungen, und die zentrale Mittelfeldposition ist enorm wichtig im modernen Fußball. Entsprechend dieser Philosophie wird Ottls Transfer als Schlüsselfrage gehandelt.

Dazu soll noch ein Innenverteidiger kommen und ein Angreifer als Unterstützung für Adrian Ramos. Wer weiß schon, ob Pierre-Michel Lasogga gegen Bayern und Dortmund da weitermacht, wo er gegen Bochum und Augsburg aufgehört hat. Seine Vertragsverlängerung bis 2015 löste am Montag bei Herthas Mitgliederversammlung großen Jubel aus. Eine Nachfrage nach Andreas Ottl provozierte immerhin einen Lacher. Frage an Michael Preetz: „Kommt denn nun der Ottl, oder kommt er nicht?“ Antwort Preetz: „Da spiele ich jetzt mal Doppelpass: Entweder er kommt, oder er kommt nicht.“

Es war ein kurzes und harmonisches Stelldichein von Spielern und Funktionären mit der Basis. Nur am Ende wurde es einmal bunt. Ein reiferer Herr, Mitglied seit 2010, kündigte seinen Wortbeitrag vom Saalmikrofon aus mit den Worten an, mal gegen den Strom schwimmen zu wollen. Er finde es schon etwas irritierend, dass sich „der Herr Gegenbauer“ so feiern lasse. Der Präsident sei schließlich für die eine oder andere personelle Fehlentscheidung verantwortlich gewesen, die vor einem Jahr mit zum Abstieg geführt habe. Und jetzt sei nicht viel mehr passiert, als dass der Klub wieder da sei, wo er vorher schon für ein paar Jahre war. Dafür müsse man sich nicht so feiern lassen.

Wenn man so will, war dieser eine kritische Wortbeitrag so etwas wie der emotionale Gegenpol zu einer weitgehend tosenden Jubelorgie in Blau-Weiß. Womöglich schwante dem einen oder anderen schon, dass die Feierlichkeiten in der Bundesliga nicht zwingend ihre natürliche Fortsetzung erfahren. Allen sei klar, hob Michael Preetz an, es könne nur ein Ziel geben – „und das ist der Klassenerhalt“. Der Manager aber schloss seine Ausführungen mit einem Versprechen: „Die Bundesliga kann sich freuen auf einen interessanten Aufsteiger.“

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