Sport : Feiern und verhandeln

Nach den Partys muss Alba die Hallenfrage klären und einen Spielmacher finden

Helen Ruwald

Berlin - Die Meister waren entlarvt. Am Tag nach dem Titelgewinn zeigten Alba Berlins Basketballer ungeahnte Schwächen. Als sie bei der Meisterfeier am Mittwochabend mit 2000 Fans in der Max-Schmeling-Halle „Uffta, uffta, täterä“ singen sollten, hatten nicht nur der Serbe Dragan Dojcin und der Amerikaner Bobby Brown sichtbare Probleme mit dem merkwürdigen deutschen Liedgut. Der Rest des Abends verlief problemlos. Das Maskottchen Albatros schwebte auf einem Trapez ein und brachte das neue Meisterbanner mit, das sofort gehisst wurde. Lange schrieben Spieler und Trainer Autogramme – und nicht nur sie. Selbst die Unterschrift von Physiotherapeut Ramon Garcia war begehrt.

Und heute wird schon wieder gefeiert, bei der Saisonabschlussparty in der Kulturbrauerei mit Vereins- und Fanklubmitgliedern. Die Fans bescherten Alba und der Basketball-Bundesliga einen neuen Zuschauerrekord. Im Schnitt 7077 Anhänger wollten die Heimspiele sehen. Die Feier heute wird das letzte Zusammentreffen des Teams 2008 sein, am Samstag gehen die Profis in alle Himmelsrichtungen auseinander. Patrick Femerling und Philip Zwiener fliegen mit der deutschen Nationalmannschaft ins Trainingslager nach Mallorca, um sich auf die Olympiaqualifikation im Juli in Athen vorzubereiten.

Ihre Berliner Teamkollegen dürfen sich hingegen in den Urlaub verabschieden – oder in die NBA-Sommerliga nach Las Vegas wie Bobby Brown. Der Vertrag des jungen Spielmachers läuft aus, wo und wie es mit ihm weitergeht, weiß er selber noch nicht. „Ich würde gerne weiter für Alba spielen, aber ich muss erst mit meinem Berater reden“, sagt Brown. Und abwarten, ob er von Alba ein neues Angebot bekommt. Brown, nach dem Kreuzbandriss von Goran Jeretin noch vor Saisonbeginn zum Spielmacher Nummer eins aufgestiegen, entwickelte sich in Berlin enorm weiter. Dennoch wird Alba einen routinierten Aufbauspieler verpflichten müssen, um in der Europaliga konkurrenzfähig zu sein. Ob daneben noch Platz sein wird für Brown, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen. Gleiches gilt für Goran Nikolic und Dragan Dojcin, deren Verträge ebenfalls auslaufen. Nikolic hat monatelang mit Meniskuseinriss gespielt und wird nun möglicherweise erst einmal operiert. Beschlossene Sache dürfte die Trennung von Center Mladen Pantic sein, der in den Play-offs nur zwei Minuten im Schnitt zum Einsatz kam.

Alle anderen Spieler haben noch einen Vertrag. Einen großen Umbruch wie zuletzt jährlich nach verpasstem Saisonziel wird es nicht geben. Dennoch stehen den Alba-Bossen arbeitsreiche Wochen und Monate bevor. Laut Geschäftsführer Marco Baldi sind die Verhandlungen mit der Anschutz-Gruppe über einen Umzug in die neue Großarena am Ostbahnhof noch nicht abgeschlossen. Entweder dort oder in der Max-Schmeling-Halle beginnt die Saison 2008/2009 mit Spitzenspielen für Alba Berlin: Am 20./21. September ist Pokalsieger Quakenbrück zu Gast, zwei Wochen später der Meisterschaftszweite aus Bonn. Helen Ruwald

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