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Feiertag im Feindesland : Asamoah schießt St. Pauli zum Sieg

Mit dem ersten Sieg gegen den HSV seit mehr als 33 Jahren hat der FC St. Pauli die Fußballwelt in Hamburg auf den Kopf gestellt und sich Luft im Abstiegskampf verschafft. Der einzige Treffer der Begegnung kam völlig unerwartet.

Frank Heike
St. Paulis Torschütze Gerald Asamoah (2.v.l) jubelt nach seinem Treffer.
St. Paulis Torschütze Gerald Asamoah (2.v.l) jubelt nach seinem Treffer.Foto: dpa

Manager Helmut Schulte hatte den „größten braunweißen Feiertag überhaupt“ erlebt, Mittelfeldspieler Matthias Lehmann sprach vom „Nationalfeiertag für St. Pauli“, Trainer Holger Stanislawski war nicht weniger pathetisch: „Die Jungs haben Geschichte geschrieben.“ Für die Fans des FC St. Pauli war nach dem überraschenden und schmeichelhaften 1:0 (0:0)-Sieg des Aufsteigers am Mittwochabend im Nachholspiel beim Hamburger SV vor allem eines klar und wichtig: „Die Nummer 1 in Hamburg sind wir!“

Ihren neuen Stadtteilhelden feierten die Anhänger des Klubs vom Kiez dabei ganz besonders innig. Gerald Asamoah spielt schon seit Wochen in bester Form und zeigt sich ungewöhnlich torgefährlich; fünf Treffer waren ihm bis zum Mittwoch schon gelungen. In einer Partie, die der HSV fast die gesamte Spielzeit über deutlich beherrschte, stemmte sich zunächst vor allem Asamoah dem scheinbar übermächtigen Gegner entgegen – und war am Ende der Torschütze zum Siegtreffer. Nach Kruses Eckball stand Asamoah am langen Pfosten goldrichtig und köpfte den Ball ins Tor. Diese 59. Minute war letztlich die entscheidende; dem HSV war es vorher trotz deutlicher Überlegenheit nicht gelungen, die nur auf Defensive achtenden Aufsteiger zu bezwingen, nach dem Treffer war es eher ein Anrennen des HSV als planvolles Spiel. „Der Gegentreffer hat uns geschockt“, sagte HSV-Kapitän Joris Mathijsen.

Unterdessen gab Asamoah mit einem Dauergrinsen Interview nach Interview. „Ich habe ja schon viele Derbys gespielt mit Schalke. Aber jetzt hier als Spieler des FC St. Pauli zu gewinnen, ist richtig geil. Viele bei uns wissen gar nicht, wie gut wir sind.“ Mit jetzt 28 Punkten hat der FC die Abstiegszone erst einmal hinter sich gelassen. Dem HSV ist es misslungen, den Abstand auf Rang fünf zu verringern. Doch die Niederlage im Kampf um die sportliche Vorherrschaft in der Stadt bedeutete viel mehr. Sportchef Bastian Reinhardt sagte: „Ich könnte kotzen, dass die jetzt bei uns im Stadion feiern.“ Für Trainer Armin Veh war die Niederlage „vor allem für unsere Fans ganz bitter“.

Die zweite Geschichte des Spiels neben Asamoahs Derbytreffer lieferte dabei der Mann im Tor des FC St. Pauli. Wohl jeder hatte mit Stamm-Keeper Thomas Kessler im Tor des Aufsteigers gerechnet, doch Trainer Holger Stanislawski vertraute Benedikt Pliquett. Der gab nach dem Spiel ein erstaunliches Geheimnis preis: „Ich wusste schon vor vier, fünf Wochen dass ich spiele. Da hat der Trainer es mir gesagt.“ Stanislawski erklärte die ungewöhnliche Rochade: „Wir haben Supertorhüter, und ich kann meinen Spielern nicht immer nur sagen, wie gut sie sind. Sie müssen es auch mal zeigen dürfen. Wäre es heute schief gegangen, hätte ich das auf meine Kappe genommen.“ Es ging gut: Pliquett, der früher beim HSV spielte, blieb in seinem ersten Bundesligaspiel fehlerlos. Mehr noch: In zwei drei Szenen war er hellwach

Im vergangenen August war Pliquett mit mehreren St.-Pauli-Fans am Bahnhof Altona von HSV-Anhängern angegriffen worden. Es passte also zu diesem Derby, dass er es war, der nach Spielende wie ein Irrwisch im „Derbysieger“-T-Shirt über den Platz fegte.

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