Feindbild : Paderborns Center Ensminger polarisiert Alba-Fans

Ellbogeneinsätze und ehemaliger Spieler der Basket Bambergs: Wieso Berlins Fans Paderborns Center Chris Ensminger nicht leiden können

Helen Ruwald,Lars Spannagel

BerlinDie Mannschaftsvorstellung wird wieder ziemlich ungemütlich werden. Wenn der Hallensprecher den Namen der Nummer fünf der Paderborn Baskets brüllt, werden die ersten Pfiffe erklingen. Wenn die Alba-Fans einen Bundesligaprofi nicht leiden können, dann ist es Chris Ensminger, der heute im dritten Play-off-Viertelfinalspiel (17 Uhr, Arena am Ostbahnhof) versuchen wird, den Außenseiter 2:1 in Führung zu bringen.

Der 35 Jahre alte, 2,09 Meter große und 118 Kilo schwere US-Amerikaner ist berüchtigt für seine Ellbogeneinsätze. Dass er das Feindbild schlechthin der Berliner Fans verkörpert, liegt aber auch an seiner Vergangenheit: bis 2008 kämpfte er für die Baskets Bamberg, Albas großen Konkurrenten der letzten Jahre. Er war das Gesicht des Bamberger Teams, das vom damaligen Trainer Dirk Bauermann auf knallharte Verteidigung eingeschworen wurde. Ensmingers Image ist mit nach Paderborn gezogen, wo er zum zehnten Mal in Folge die Play-offs erreicht hat. „Wir haben keinen Druck, aber richtig viel Spaß“, sagte er nach dem 71:68 im zweiten Viertelfinalspiel am Donnerstag. Weil er früh mit vier Fouls belastet war, stand er nur 14 Minuten auf dem Parkett und steuerte gerade einmal sechs Punkte bei. Im ersten Spiel waren es in 31 Minuten Spielzeit 14 Punkte und 13 Rebounds.

„Er ist sicher ein sehr guter Spieler. Aber mit ihm hat Paderborn in Berlin verloren, zu Hause haben sie fast ohne ihn gewonnen“, sagt Albas Center Adam Chubb über seinen Gegner. Auch Geschäftsführer Marco Baldi findet, dass „das Spiel gezeigt hat, dass seine Bedeutung für Paderborn vielleicht überschätzt wird.“ Aber „er hat eine perfekte Berufsauffassung, geht immer voran und steckt nie zurück.“ Fünfmal war der Amerikaner bester Rebounder der Liga. In der gerade abgelaufenen Hauptrunde machte er im Schnitt 11,1 Punkte und holte 9,6 Rebounds. „Chris hat uns viel stabiler gemacht. Und er hat das Sieger-Gen“, lobte Paderborns Trainer Douglas Spradley in der Tageszeitung „Neue Westfälische“. Schwächen zeigt Ensminger allerdings an der Freiwurflinie: Seine Trefferquote liegt nur bei 58 Prozent, am Donnerstag wurde sogar ein Freiwurftreffer abgepfiffen, weil er übertreten hatte.

Für Alba stand eine Verpflichtung Ensmingers laut Baldi nie zur Debatte, weil er nicht beweglich genug ist. „Er ist technisch und athletisch limitiert – er springt nicht gerade bis zur Oberkante des Bretts“, sagt Baldi. „Dafür hat er andere Sachen perfektioniert. Er wird immer alles für seine Mannschaft geben.“ Besonders gegen Alba und tausende pfeifende Fans.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben