Sport : Feinde des Freibads

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Benedikt Voigt über die deutsche Meisterschaft im Skispringen

Falls Sie irgendwo zwischen Nordnorwegen und Südgrönland geboren wurden, bei Temperaturen über 10 Grad Ausschlag bekommen und beim Stichwort Freibad ans Ertrinken denken. Falls ihnen überhaupt der Sommer ein Graus ist wegen der vielen Mücken und des hellen Lichts. Falls Sie also tatsächlich dieser seltsamen Spezies der Winterfreunde angehören, hätten wir eine Veranstaltung für Sie. In Winterberg, wo sonst, wartet an diesem Wochenende Rettung. Zwar dürften die Temperaturen im Hochsauerland noch nicht Ihren Erwartungen entsprechen – Sonne und 20 Grad sagt der Internetdienst wetter.de für den heutigen Sonntag voraus –, doch der Sport dürfte Ihr Interesse wecken: Seit Freitag ermitteln die Nordischen Kombinierer und die Skispringer in Winterberg ihre Deutschen Meister.

Für alle anderen klingt es mehr als seltsam: Es ist Juli, was um Himmels willen hat da der Wintersport zu suchen? Von Oktober bis März gebe es wegen der vielen Weltcuptermine keine geeigneten Tage für die Deutsche Meisterschaft, sagen die Verantwortlichen im Nordischen Skisport. Doch der ungewöhnliche Zeitpunkt deutet auch auf die geringe Wertigkeit dieser Meisterschaft hin. Was ist das für ein Titel, den Ronny Ackermann auf Mattenschanze und Inlineskates erringt? Hatte die Nordische Kombination nicht irgendwann mal etwas mit Skispringen und Langlaufen zu tun? Wenigstens die Biathleten, die im September ihre nationalen Meister ermitteln, benutzen noch Langlaufski-ähnliche Skiroller.

Der Skisprung-Bundestrainers Reinhard Hess wollte eigentlich die große Bedeutung der Meisterschaft ausdrücken, als er begründete, warum er Sven Hannawald und Martin Schmitt zur Anwesenheit verpflichete. „Angesichts der Wertigkeit der Meisterschaft habe ich beide dazu angehalten.“ Tatsächlich beweist dies und der Überraschungssieger Frank Löffler nur, wie unwichtig das Sommerspringen ist . Schmitt und Hannawald beschränkten sich aufgrund ihrer Trainingsrückstände aufs Autogrammschreiben. Trotzdem kamen rund 7000 Zuschauer in die „Jump&Fun-Arena“ an der St.-Georgs-Schanze. Für das heutige Mannschaftsspringen werden ähnlich viele Freunde des Wintersports erwartet.

Für alle anderen gilt: Viel Spaß im Freibad.

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