Sport : Feines Gespür für Tempo und Schlagzeilen

Claudia Pechstein ist längst auch PR-Profi

Frank Bachner

Der PR-Profi Claudia Pechstein redet so: „So ein Titel ist auch sehr hilfreich bei der Vermarktung meiner Person.“ Claudia Pechstein hatte gerade erfahren, dass sie von Fans, Trainern und Funktionären zu „Deutschlands Eisschnellläuferin 2004“ gewählt worden war. Die Hochleistungs-Sportlerin Pechstein redet so: „Die letzte Runde, ja die letzte Kurve des 3000-m-Rennens gegen Anni Friesinger hat die Entscheidung gebracht und mir Gold beschert. Ein Wahnsinnsgefühl.“ Pechstein war in Seoul kurz zuvor Weltmeisterin 2004 über 3000 m geworden. Es war ihr fünfter Einzel-WM-Titel. Claudia Pechstein ist jetzt 32 und sportlich gesehen ein Gesamtkunstwerk. Viermal Olympiasiegerin, einmal Olympiazweite, dazu noch zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen, keine deutsche Wintersportlerin hat bei Olympia so viel erreicht wie die Berlinerin. Aber über ihren WM-Sieg im Frühjahr freute sie sich noch genauso wie über ihr Silber bei der Junioren-WM 1988. Das erklärt ihre Erfolgsgeschichte. Die Berlinerin hat immer noch diesen ungemein großen Ehrgeiz. Er paart sich mit Disziplin und einem ungewöhnlich ausgeprägten Gefühl für Geschwindigkeit. Sie kann über 5000 m jede Runde in exakt gleichem Tempo zurücklegen. Fachleute registrieren das begeistert.

Die Masse dagegen registriert inzwischen vor allem die Werbefigur Pechstein. Nach ihrem Doppel-Olympiasieg 2002 hätten sich ihre Werbeeinnahmen verdoppelt, sagt Pechsteins Manager. Sie wirbt für Mode, Autos und Vitamindrinks. Das verdankt sie natürlich auch dem Streit mit Friesinger, den sie lustvoll kultivierte. Derzeit herrscht Waffenstillstand, aber Pechstein hat längst von dem Zickenstreit profitiert. Er brachte Schlagzeilen und damit auch Werbeverträge. Bis zu Olympia 2006 macht sie auf jeden Fall weiter, für weitere Werbeverträge ist sie allemal offen.

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