Sport : Feines Pinkeln

Der FC Bayern München – meisterlich bis aufs Klo

Daniel Pontzen

Bei Meisterfeiern des FC Bayern pflegen die Organisatoren eine bemerkenswerte Liebe zum Detail, so auch im Paulaner Wirtshaus am Nockherberg, in das sich Mannschaft und Gefolge nach der Massenparty am Marienplatz zurückgezogen hatten. In den Pissoirs des gediegenen Gasthauses waren Tipp-Kick-Tore angebracht, von der Latte baumelte ein Ball, und mit ein wenig Geschick konnte Mann ihn binnen kürzester Zeit mehrfach über die Linie bugsieren: ein garantiertes Erfolgserlebnis auf dem Klo mithin.

Vermutlich hatte Trainer Ottmar Hitzfeld eher das große Ganze im Blick, als er sagte, „alles ist sehr gut organisiert, deshalb macht es hier viel Spaß“. Tatsächlich war alles perfekt durchgestylt, es fehlte an nichts, und es dauerte nicht lange, bis Kuffour & Co. ihre Zigarren auspackten und eifrig pafften. Die Bayern scheinen das Hochleistungsfeiern als neue Disziplin entdeckt zu haben, erst vor drei Wochen hatten sie mit einer Spontan-Party nach dem entscheidenden Sieg in Wolfsburg geglänzt.

Die ganz große Ausgelassenheit fehlte Samstagnacht allerdings, vielleicht weil die „nicht ganz unturbulente Saison“, wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei seiner Festrede resümierte, erst in zwei Wochen zu einem befriedigenden Abschluss gebracht werden kann. „Wir können heute nicht den Kanal voll laufen lassen, wir haben schließlich noch ein Ziel“, verkündete Manager Uli Hoeneß mit Blick auf das Pokalfinale gegen Kaiserslautern. „Wenn wir das geschafft haben, dann wird es richtig feucht.“

Wird dies gleichzeitig ein Abschiedsfest für Oliver Kahn? Zwar kündigte der Kapitän den Fans vom Rathaus-Balkon an, neue Ziele mit den Bayern angehen zu wollen, doch tags zuvor hatte er zum wiederholten Male mit seinem Weggang kokettiert: „Wenn man die Gelegenheit hat, sich einer neuen Herausforderung zu stellen, muss man sich das überlegen.“ Manchester United und Arsenal London, so war in englischen Zeitungen zu lesen, könnten ihm eine solche neue Aufgabe bieten. Manager Hoeneß rangen die Spekulationen nach eigener Aussage nicht mehr als „ein müdes Lächeln“ ab. „Soweit ich weiß, hat er hier noch drei Jahre Vertrag, da kann er drei Meisterschaften holen. Und eine Herausforderung hat er in der Champions League.“

Für Giovane Elber ist ein Wechsel in diesem Sommer kein Thema mehr. Der Brasilianer hatte sich mit seinen beiden Treffern beim 2:1-Sieg gegen Stuttgart, die ihn im Kampf um die Torjägerkanone in Front gebracht haben, einen zusätzlichen Anlass zum Feiern beschert. „Ein Tor in Wolfsburg, drei in Berlin und nun zwei gegen den VfB – da traue ich mir schon noch eines nächste Woche in Schalke zu.“ Elber, das wollte er wohl sagen, trifft derzeit überall ins Tor. Am Samstag ist ihm das sicher auch auf der Toilette gelungen.

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