Sport : Feingefühl im Renngalopp

Jockey Katharina Daniela Werning startet heute in fünf Rennen beim Saisonabschluss in Hoppegarten

Katja Reimann

Berlin - Fast sieht es so aus, als ob sie sich ein Grinsen verkneife, aus lauter Höflichkeit. Katharina Daniela Werning, genannt Kathi, lächelt stattdessen freundlich, streicht sich die langen blonden Locken zurück und antwortet schließlich doch auf die Frage, die ihr ein bisschen lustig vorzukommen scheint: Nein, sagt sie, Angst habe sie keine. Nie! Wer mit Angst auf ein Rennpferd steigen wolle, der könne gleich unten bleiben – denn so wird das mit dem Siegen nichts. Und genau das will Kathi Werning, gewinnen.

Bisher gelingt ihr das gut. Die zierliche 23-Jährige – 1,69 Meter groß, 51 Kilogramm schwer – ist derzeit in der offiziellen Rangliste hinter Steffi Hofer aus Krefeld mit 25 Erfolgen zweiterfolgreichster weiblicher Jockey in Deutschland. 21 Galopprennen gewann sie in dieser Saison, 140 Siege erritt sie in ihrer noch jungen Karriere insgesamt. Am Sonntag könnte ein weiterer hinzukommen, denn dann startet Werning beim Saisonfinale in Hoppegarten (1. Start um 12.15 Uhr). Fünf Ritte wird sie absolvieren. Und mit dem sechsjährigen Wallach Emporioso rechnet sie sich im fünften von sieben Rennen auch Siegchancen aus.

An Hoppegarten hat Werning ohnehin gute Erinnerungen. Als Fünfzehnjährige gewann sie dort zum allerersten Mal. Seit ihrem 50. Sieg 2004 in Hamburg, den Werning noch während ihrer dreijährigen Ausbildung zur Pferdewirtin mit Schwerpunkt Rennreiten erzielte, darf sie sich auch offiziell Jockey nennen, so ist die Regel. Wernings Berufswunsch stand früh fest. „Ich wusste schon mit 15, dass ich Rennreiterin werden möchte“, sagt sie. Verwunderlich ist das nicht. Immerhin kommt sie aus einer großen Reiterfamilie. Ihr Vater, Reiner Werning, trainiert schon seit über dreißig Jahren erfolgreich Rennpferde, ihr Bruder Pascal Jonathan (26) ist in Hoppegarten ebenfalls als Jockey am Start. Aufgewachsen ist Kathi Werning praktisch im heimischen Stall in Dortmund. Und auf dem Pferderücken, versteht sich.

Schon mit drei Jahren thronte sie auf ihrem Pony Chantella – und zog sich bei Stürzen erste Blessuren und Narben zu. Eine Familienlegende ist die Geschichte, als Chantella im gestreckten Galopp auf den Stall zurannte, kurz zuvor rechts abbog und ihre kleine Reiterin in hohem Bogen geradeaus gegen die Stallmauer flog. Einige Wirbelbrüche, Gehirnerschütterungen, Rippenprellungen und gebrochene Ellenbogen später lautet Wernings Rezept noch immer: Aufstehen und weitermachen.

Diese Zähigkeit macht sich nun in dem von Männern dominierten, risikoreichen Rennsport bezahlt. Von ihrer hübschen und talentierten weiblichen Konkurrenz waren Wernings Jockey-Kollegen erst wenig begeistert. Insgesamt, sagt sie, gebe es nur etwa eine Handvoll gute Rennreiterinnen. „Am Anfang war es schwer, da bin ich auch mal weinend nach Hause gekommen“, erinnert sich Werning. Inzwischen hat sie sich den Respekt der Männer erkämpft – weil sie weiß was sie kann, couragiert reitet und auch Erfolge aufweist. Was ihr gegenüber den männlichen Kollegen an Kraft fehlt, gleicht sie auch bei mehr als 60 km/h im Renngalopp durch Feingefühl aus.

An ihren Fertigkeiten arbeitet sie hart. Als angestellte Arbeitsreiterin beim Gestüt Röttgen in Köln trainiert Werning vormittags zwischen 6 und 13 Uhr bis zu sechs Pferde auf der Rennbahn. Jedes Wochenende ist sie als Jockey bei Rennen im Einsatz. Inzwischen startet sie nicht mehr nur noch in Deutschland, sondern auch in Frankreich. Bald sollen Starts in Großbritannien folgen. Und wenn es nach ihr geht, dann würde sie am liebsten bald auch Hindernisrennen reiten. „Das ist ein noch höherer Kick“, sagt sie, lächelt und ergänzt. „Da fällt man natürlich noch schneller.“ Sorgen macht sich die Frau ohne Angst deswegen allerdings nicht. Wozu auch, sie weiß ja wie es geht: Aufstehen und weitermachen.

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