Felipe Massa : Mein Wagen gehört zu mir, ist das klar?

Alle reden von Schumachers Comeback – nur Felipe Massa tut alles, um es so kurz wie möglich zu gestalten.

Karin Sturm

BerlinBerlin - Michael Schumachers Comeback ist das Thema der Stunde in der Formel 1. Doch der, dessen Unfall in Budapest das überhaupt erst möglich machte, sitzt derzeit in seinem schicken Apartment im Süden von Sao Paulo und tut alles, um dieses Comeback so kurz wie möglich ausfallen zu lassen. Am Montagabend kam Felipe Massa per Privatflieger aus Budapest in seiner Heimat an, aus geplanten zwei Tagen im Klinikum Albert Einstein wurde dann sogar nur einer: Am Dienstagabend entließen die Ärzte dort Massa bereits. Alle Befunde in Ordnung, auch das linke Auge, das nach dem Einschlag einer Eisenfeder in seinen Helm zugeschwollen war, macht keine Probleme.

„Felipe kann sich am besten erholen, wenn er zu Hause ist, zusammen mit seiner Familie, mit seiner Frau Raffaella“, sagt Dino Altman, sein Privatarzt. Ein gewisses Übungsprogramm habe er auch schon mitbekommen, „aber im Moment geht es mehr in Richtung Physiotherapie. Er soll sich ja erst einmal wirklich entspannen, ausruhen und erholen, bevor er wieder mit echtem Vorbereitungstraining für ein Comeback anfängt.“

Natürlich sagt Massa offiziell, dass die Lösung, Michael Schumacher als Ersatzmann zu holen, die richtige sei und dass er sich darüber freue. Doch allzu lang will er dem siebenfachen Weltmeister trotz des guten Verhältnisses seinen Platz nicht überlassen. „Falls ich ihn ins Auto lasse“, hatte Massa ja gleich gewitzelt, als er erstmals vom Comeback des Deutschen hörte. Damals glaubte er ja noch, dass er es vielleicht sogar schaffen könnte, bis zum nächsten Rennen in Valencia am 23. August wieder fit zu sein. Diese Idee redeten ihm seine Ärzte schnell aus. Aber dass Schumacher die ganze Saison zu Ende fährt, dagegen hat der Brasilianer schon etwas. Altman hatte schon kurz nach dem Unfall verlauten lassen, dass er Massas Rückkehr zum Grand Prix in Singapur Ende September durchaus für möglich hält. Auch Massas Frau Raffaella, im sechsten Monat schwanger, ist sich sicher, dass ihr Mann auf jeden Fall noch in dieser Saison wieder einsteigen wird: „Es wird schon so kommen, dass bei mir die Wehen anfangen, während Felipe in Abu Dhabi ist und das Saisonfinale bestreitet.“

Dass der Brasilianer so schnell wie möglich wieder ins Auto zurückwill, ist nicht nur typische Rennfahrermentalität, um eventuelle psychologische Nachwirkungen des Unfalls gar nicht erst aufkommen zu lassen. Er will natürlich auch Präsenz beweisen, damit andere gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen. Michael Schumacher etwa auf den, vielleicht doch noch gleich ein Jahr dranzuhängen. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hat Massa immerhin zugesichert: „Das ist dein Auto, das ist für dich reserviert.“

So muss wohl Kimi Räikkönen sein Cockpit räumen, da Fernando Alonso mit großer Wahrscheinlichkeit ab 2010 für Ferrari fahren wird. Der Finne hat sich durch seine unmotivierte Herangehensweise immer mehr selbst ins Abseits gestellt. Der Weltmeister von 2007 hat zwar noch einen Vertrag für die kommende Saison, doch das wird sich sicher lösen lassen. Vor allem, wenn er gegen Schumacher in den nächsten Rennen schlecht aussehen sollte.

So gesehen würde ein starkes Schumacher-Comeback Massa gar nicht so ungelegen kommen. Aber eben nur für ein paar Rennen. Gerade wenn er Alonso ab 2010 als neuen Teamkollegen bekommt, möchte Massa mit Sicherheit wieder fest in Test und Rennroutine integriert sein. Schließlich stellt der zweimalige Weltmeister für ihn dann eine ganz neue Herausforderung dar. Eine, auf die man optimal vorbereitet sein muss.

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