Sport : Felix, der Einfühlsame

Die wundersame Wandlung des Trainers Felix Magath ist das Glück des VfB Stuttgart

Oliver Trust

Stuttgart. Felix Magath ist die Ruhe selbst. Nichts scheint ihn in diesen Tagen wirklich aufzuregen. Dabei hat er mehr zu tun, als ein normaler Fußballtrainer tun muss. Mit dem VfB Stuttgart steht er in der Fußball-Bundesliga auf Platz vier. Durch den 2:0-Erfolg über Ferencvaros Budapest erreichten die Schwaben die dritte Runde im Uefa-Cup. Alle Gesichter zierte ein befreites Lächeln. Intern aber braut sich eine Menge Ärger zusammen, und es ist allein Magath, der die Mannschaft bei Laune hält. Aus dem trotzigen, polternden Schleifer ist ein einfühlsamer Trainer geworden, der zu seiner jungen Mannschaft ein besonderes Verhältnis aufbaute. Magaths Wandlung ist das große Glück der Schwaben.

Trotz der wochenlangen Anstrengungen im UI-Cup und aller anderen Erfolge zahlt der VfB seit vier Monaten keine Prämien. Und auch jetzt schüttelt Manager Rolf Rüssmann den Kopf. „Leider keine Prämien", sagt er. 16,6 Millionen Euro Schulden stehen in den Büchern, und die Erfolge locken zu wenige Zuschauer ins Stadion. 15 000 waren es gegen die Ungarn. Den Rest muss Magath regeln. Wie lange er diesen Drahtseilakt schafft, weiß er selbst nicht. „Ich hoffe, dass die Mannschaft endlich mit dem belohnt wird, was sie verdient hat", sagt Magath. Und Spielmacher Krassimir Balakow offenbart mit seinem Statement die Schieflage im Verhältnis zum Verein. „Prämien sind vor allem für die jungen Spieler ein Anreiz.“ Klar, sein Vertrag von drei Millionen Euro pro Jahr ist auch ein Grund, warum es dem VfB Stuttgart finanziell nicht so gut geht.

Er könne hier nicht noch den Marketingmanager spielen, hat Magath neulich geklagt. Der früher als „Quälix" verspottete Trainer ist erst einmal froh, dass er sein schlechtes Image los ist. „Das hat sich geändert. Früher hatten Spieler ja schon Angst, bevor ich meine Arbeit überhaupt angefangen hatte", sagt er. „Ich habe gelernt, mich zu überwinden und Dinge zu ändern", sagte er in einem Interview mit der „Welt“.

In Bremen hatte er einen Spieler nicht mal zur Beerdingung seines Großvaters freigestellt. In Stuttgart zieht Magath die Kreditkarte heraus und lädt das gesamte Team während eines Spaziergangs zum Kaffee ein. Er ist vom Feind der Spieler zu deren Partner geworden, der nach dem Sieg über Budapest minutenlang im Stadion gefeiert wurde. „Ich sehe mich als Wegweiser für die Spieler", sagt er heute. „Früher habe ich versucht, Dinge mit zu viel Druck durchzusetzen. Das habe ich geändert.“ Trotzdem werden die Marketingstrategen der Stuttgarter bald Ergebnisse präsentieren müssen. Lange wird Magath nicht mehr den Animateur spielen können. „Wenn wir die vierte Runde erreichen, dann zahle ich aber nicht mehr“, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht.

Jetzt hoffen sie in Stuttgart, dass Magath noch eine Weile durchhält. Am Freitag wird in Nyon die dritte Runde des Uefa-Cups ausgelost. Ein namhafter Gegner würde ein volles Stadion und eine satte Einnahme garantieren. „Die genauen wirtschaftlichen Zahlen des Klubs kenne ich nicht. Ich hoffe nur, sie werden bald besser“, sagt Magath. „Bisher haben die Erfolge die Spieler die Belastungen vergessen lassen“. Nun, sagt Magath, stehe er mit seiner Mannschaft vor einer schwierigen Situation. „Nach oben zu kommen war einfach, jetzt müssen wir Konstanz zeigen und da oben bleiben.“

Das wird ihn alle Kraft kosten. Um die gute Laune kann er sich deshalb immer weniger kümmern. „Wenn du mal da bist, wo du hin willst, kommt die Angst. Aber die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie diese Belastung verkraftet. Das müssen wir jetzt nur noch im Alltag Bundesliga untermauern.“ Felix Magath grinste wieder. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Rolle als Felix, der Einfühlsame.

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