Sport : Felix Magath: Er hat sich verrechnet

Hartmut Scherzer

Überrascht hat nur die Eile, mit der Felix Magath entlassen wurde. Spätestens nach dem 1:5-Debakel seiner Mannschaft gegen den 1. FC Köln, der sechsten Niederlage von Eintracht Frankfurt in Folge, war der Retter der letzten Saison zum Wackelkandidaten geworden. Keine Schonfrist erhielt Magath nach dem katastrophalen Fehlstart: Vorstand und Aufsichtsrat einer AG handeln eben entschlossener als ein herkömmliches Vereinspräsidium in der Vergangenheit. Vor allem, wenn der Cheftrainer in einem Krisengespräch "absolute Machtfülle bis hin zu einem möglichen Bundesliga-Abstieg fordert", wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt.

Mehr noch: Anstatt in dem Krisengespräch nach dem Desaster gegen Köln den Herren der Gremien Hoffnungen zu machen, seien keinerlei Impulse, so der Vorstandschef Steven Jedlicki, gekommen. "Herr Magath hat keinen Enthusiasmus, keine Ideen vermittelt, wie wir aus der Krise kommen können. Als alles besprochen war, haben wir keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit gesehen." Magath besitzt noch einen Vertrag bis 2003.

Einem Rundfunksender teilte er seine Reaktion kurz mit: "Das hat mich schwer getroffen." Der Beschluss am Montag, den 47-jährigen Fußballehrer nach einjähriger Tätigkeit zu entlassen, war in den hohen Gremien einstimmig getroffen worden. Ausschlaggebend war letztlich weniger das 1:5 und die Niederlagenserie seit dem sensationellen 2:1-Sieg in München gegen die Bayern, sondern der "absolute Machtanspruch" und das "Steinzeitkonzept", das Magath in dem Krisengipfel vorgelegt habe.

Die Ankündigung des Trainers, den nach der vereinsinternen Kritik an seinem rigiden Führungsstil eingeschlagenen Versöhnungskurs wieder zu verlassen und zum alten Drill zurückzukehren, brachte ihn um den Job. "Zurückzufallen ins alte Fahrwasser, das war der entscheidende Punkt", sagte der Aufsichtsratvorsitzende Reinhard Gödel. "Wenn uns Herr Magath am Sonntagmorgen signalisiert hätte, den neuen Weg konsequent weiterzugehen, hätten wir die Entscheidung wahrscheinlich nicht getroffen."

Bis der 23. Cheftrainer in der Bundesligageschichte der Eintracht gefunden ist, trainiert der Sportdirektor Rolf Dohmen die Mannschaft und wird auch am Sonntag in Rostock auf der Bank sitzen. "Vorher passiert nichts", versicherte Jedlicki. "Wir wollen uns Zeit lassen und in Ruhe die richtige Entscheidung treffen." Namen, mit denen spekuliert wird, reichen von Klaus Toppmöller und Otto Rehhagel bis hin zu Winfried Schäfer und sogar Christoph Daum.

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