Sport : Felix Magath: Im Spiegel des Tages: Fataler Aktionismus

Frank Bachner

Ach Gottchen, sie sind endlich erlöst, die Armen. Jetzt müssen sie nicht mehr so viel laufen und so oft keuchen und brauchen nicht mehr jammern, wie hart es doch sei, für ein paar Millionen Mark im Jahr Fußball-Profi zu sein. Felix Magath, ihr Trainer, ist gestern entlassen worden, und die Frankfurter Spieler sind von ihrem strengen Übungsleiter befreit. Schleifer nannten sie ihn und Quälix, wahrscheinlich die gleichen Spieler, die auf dem Platz den etwas weichen Schalke-Regisseur Andreas Möller als Heintje verspotten. Aber irgendwie verschiebt sich sowieso in der Fußball-Bundesliga das Koordinatensystem. Magath gilt als hart, weil er schlicht forderte, was jeder Malermeister von seinem Gesellen verlangt: dass der seine Arbeit vernünftig macht. Gehalt gegen Leistung, so ist das in der Marktwirtschaft. Zum Glück vergessen die Spieler dies wenigstens bei Vertragsgesprächen nicht.

Aber, zugegeben, im Fall Magath ist das nur ein Nebenaspekt. Der Fall Magath hat vor allem etwas Grundsätzliches. Die Bundesliga folgt einem Aktionismus, den sie ofensichtlich zum Naturgesetz entwickelt hat. Magath hat sechs Spiele in Folge verloren, also raus mit ihm! Das ist die einfachste, anders gesagt: die primitivste Methode, einen Verein und Menschen zu führen. Die Entscheidungsträger haben selten Mut und Charakter, an Entscheidungen festzuhalten und dem Zorn der verärgerten Fans zu widerstehen. Die Verpflichtung eines Trainers bedeutet zugleich, diesem einen Vertrauensbeweis zu liefern. Passiert aber nur selten, weil sich keiner an die Hauptschuldigen traut, die Spieler. Die sind teures Kapital, die kann man nicht einfach rauswerfen. Muss ja auch nicht sein, aber stattdessen den Trainer abzulösen, ist ein Zeichen von enormer Schwäche.

Aber immerhin: Es gibt noch einen Trost. Die Verantwortlichen sind offenbar dabei, sich selber bestrafen. Als neuer Trainer bei Eintracht Frankfurt ist Winfried Schäfer im Gespräch.

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