Felix Neureuther : Patzer noch stärker unter Druck

Felix Neureuther enttäuscht mit Platz 34 im Riesenslalom und steht beim Slalom am Sonntag nun noch mehr unter Druck als ohnehin schon.

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Pistenstaub. Felix Neureuther leistet sich einen dicken Fehler im ersten Durchgang des Riesenslaloms – am Ende landete er auf Rang 34.Foto: dpa
Pistenstaub. Felix Neureuther leistet sich einen dicken Fehler im ersten Durchgang des Riesenslaloms – am Ende landete er auf Rang...Foto: dpa

Am drittletzten Tor hörte man noch die Trillerpfeifen. Sie übertönten alles, sie sollten motivierend wirken. Je näher Felix Neureuther zur Ziellinie raste, desto stärker wurde der Jubel. Aber Neureuther fuhr durchs Ziel, als hätte er seine Pflicht erledigt. Ohne Körperspannung, Aufgabe abgehakt, kurzer Gruß zum Publikum, das war’s.

Man darf das nicht falsch verstehen, dieser Lauf war ein Dankeschön an die Fans in Garmisch-Partenkirchen, die auch seinetwegen zum Riesenslalom bei der Ski-WM gekommen sind. „Er fährt für die Zuschauer, als Geste für Ihre Unterstützung“, hatte der Stadionsprecher verkündet. Das war nett von Neureuther. Aber weshalb sollte er bis zum Letzten kämpfen? Den Kampf hatte er bereits zwei Stunden zuvor verloren.

Felix Neureuther aus Garmisch-Partenkirchen hatte nach dem ersten Durchgang auf Rang 34 gelegen, er hatte sich einen groben Fahrfehler geleistet. „Soll ich überhaupt noch zum zweiten Durchgang antreten?“, hatte er dann gefragt. „Oder soll ich mich lieber auf den Slalom konzentrieren?“ Am Sonntag findet der WM-Slalom statt, es soll sein großer Auftritt werden.

Den richtig großen Applaus kassierten am Freitag andere. Ted Ligety zum Beispiel, der US-Amerikaner, der mit einem furiosen zweiten Lauf noch Gold gewann. Oder Fritz Dopfer, der 23-Jährige vom SC Garmisch, der nach dem ersten Durchgang 13. war und am Ende Rang 15 belegt, das beste deutsche Riesenslalom-Resultat bei einer WM seit 1996. Oder der 18-jährige Stefan Luitz aus Bolsterlang, der erst drei Tage vor der WM erfahren hatte, dass er überhaupt mitmachen darf, nach dem ersten Durchgang völlig unerwartet auf Rang 17 lag – und am Ende dann auf Platz 28.

Dopfer und Luitz waren ein Glücksfall für Neureuther an diesem Tag. Sie lenkten ab von dem 26-Jährigen, sie verhinderten, dass man sich intensiv mit ihm beschäftigte. Ihre Leistungen verhinderten auch, dass sich der Druck auf Neureuther noch mehr verstärkt.

Dopfer hatte sich im zweiten Durchgang einen Fehler geleistet, sonst wäre er noch weiter nach vorne gekommen. Der Mann, den die Trainer früher kritisiert hatten: nicht aggressiv genug, zu wenig risikobereit. Nun attackierte Dopfer im zweiten Lauf. „Jetzt gilt nur noch Flucht nach vorne“, hatte er nach dem ersten Lauf erklärt. Platz 15 „ist völlig in Ordnung“, sagte er später. „Das spiegelt meinen derzeitigen Leistungsstand wider.“

Dopfer hatte seine Mütze tief über die Ohren gezogen, den Rennanzug bis zur Hüfte heruntergezogen, als er im Zielraum stand und über Felix Neureuther redete. „Klar ist der Felix enttäuscht. Aber er bleibt ein ganz heißer Kandidat für den Slalom.“ Im Grunde genommen hatte Neureuther nicht viel falsch machen können im Riesenslalom. Er hätte nur unter die Top 20 fahren müssen. Jeder weiß, dass Riesenslalom nicht seine Disziplin ist. Er hätte das Rennen als psychische Generalprobe für den Slalom nehmen können. Aber nach dieser Enttäuschung ist der Druck noch größer. Jetzt erwartet jeder, dass er eine Trotzreaktion zeigt, dass er im Slalom wettmacht, was er im Riesenslalom verbockt hat.

„Der Slalom ist der Showdown“, sagt Neureuther. Er startet auf dem Berg, den er schon als Dreijähriger bewältigt hat, er ist neben Maria Riesch das Gesicht dieser WM in Garmisch-Partenkirchen, seinem Heimatort. Und jetzt? „Jetzt ist passiert, was ich auf keinen Fall wollte. Ich bin nicht fehlerfrei runtergekommen.“ Nein, einen Knacks habe ihm das nicht gegeben. Trotz Dopfers und Luitzs Leistungen ist die Erwartung gigantisch. „Am Sonntag steht ein Riesending an“, sagt Neureuther. Die Frage ist, wie er diesem Ding standhalten kann.

Der Gudiberg ist sein Revier. „Aber der Gudiberg muss nicht unbedingt ein Vorteil für mich sein“, sagt er auch. „Auf mir lastet ja ein extremer Druck.“

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