Sport : Felix und die Rasselbande

Stuttgarts Trainer Magath beklagt fehlende Berufsauffassung

Oliver Trust

Stuttgart. Die Ohren glühten feuerrot. Man musste Philipp Lahm nur beobachten, dann wusste man, was in ihm vorging. „Also, bei mir hat sich nichts verändert“, sagte er leise und trat verlegen von einem aufs andere Bein. Der Fußballprofi Lahm vom VfB Stuttgart hat eigentlich keine Probleme, sollte das bedeuten. Er ist doch sogar in die Nationalmannschaft berufen worden. Das habe doch nicht dazu geführt, dass er besonders verkrampft habe. Auch wenn das alle Beobachter so gesehen haben beim schwachen 1:1 des VfB gegen Mönchengladbach. „Es war die letzten Tage alles wie immer“, sagte Lahm. „Ich werde auch bei der Nationalmannschaft so spielen wie immer.“ Seine Ohren glühten unverändert.

Zehn Meter neben Lahm stand Stuttgarts Trainer Felix Magath. Vor ein paar Tagen hatte er seine Spieler 90 Minuten lang in kurzen Hosen bei Temperaturen um den Nullpunkt auf dem Platz wie beim Appell antreten lassen und eine flammende Rede gehalten. Dabei dürfte es um das nette Thema Berufseinstellung gegangen sein. Magath hatte von nächtlichen Streifzügen seiner Profis erfahren. Unklar, ob Lahm auch zu den Nachtschwärmern gehört hatte. Auf jeden Fall sagt Magath: „Er hat die Berufung in die Nationalmannschaft mehr als Verpflichtung angesehen denn als Befreiung.“

Nicht bloß Lahm geriet in die Krise. Der Start des VfB in die Rückrunde verlief holprig. Jetzt suchen sie alle nach der Unbekümmertheit, die den Klub in der Vorrunde so lange ausgezeichnet hatte. Sarkastisch referierte Magath über „Schulterklopfer“ und „Termine der Spieler außerhalb des Platzes“, die Konzentration und Leistungsfähigkeit behinderten. Magath konstatierte ein mentales Problem: „Lahm war der erste, der mehr zu den eigenen Leuten zurückgespielt hat als den Ball nach vorne zu treiben.“ Und VfB-Kapitän Zvonimir Soldo schob eine Warnung nach. „Wir müssen aufpassen, dass wir die Kurve kriegen.“ In zwölf Tage trifft der VfB in der Champions League auf Chelsea London.

„Wir haben nicht mehr das Selbstvertrauen, das wir in der Vorrunde besessen hatten“, sagte Magath. Der Teammanager wirkt ratlos. „Vielleicht ist es gut, dass die halbe Mannschaft zur Nationalmannschaft fährt.“ Diese Ablenkung kommt nicht ungelegen.

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