Sport : Felix Zwayer: „Ich kann gut schlafen“

Schiedsrichter zwischen Aufklärung und Anklage

Armin Lehmann

Berlin - Als das Kamerateam der ARD-Sportschau am Samstagmittag in das Büro seines Anwalts Uwe Freyschmidt kommt, ist Felix Zwayer für seine derzeitigen Lebensumstände relativ entspannt. Seit zwei Wochen ist der Alltag schwieriger geworden für den Berliner Schiedsrichter. Zwayer ist der Kronzeuge im Manipulationsskandal gegen seinen Kollegen Robert Hoyzer. Zwayer ist auch derjenige, der selbst von Hoyzer angeworben werden sollte. Heute aber, 14 Tage nach Bekanntwerden der Affäre, gilt Zwayer immer noch als Verdächtiger – aufgrund einer Aussage Hoyzers. Gestern nun ging Zwayer erstmals an die Öffentlichkeit. Im Tagesspiegel sagte er: „Ich habe ein reines Gewissen, und ich kann gut schlafen, denn ich weiß, dass ich nicht manipuliert habe.“

Dennoch ist die Situation schwierig für den 23-Jährigen. Seit seinem dreizehnten Lebensjahr ist er Schiedsrichter, dass er kein großer Fußballer werden würde, hatte er frühzeitig und mit gesunder Eigeneinschätzung erkannt. Seit dieser Saison ist er Assistent in der Zweiten Liga. Sein Traum ist es, so bald wie möglich wieder pfeifen zu können, um seine Karriere fortzusetzen, die ihn womöglich eines Tages in die Bundesliga führt. Zurzeit aber hat Felix Zwayer andere Sorgen: „Es ist eine unheimlich schwierige, sehr angespannte Situation für mich. Das zieht seine Kreise bis hinein in die Familie.“ Zwayer macht zurzeit eine Ausbildung als Immobilienkaufmann. Er will nicht ausführen, mit welchen Gedanken er täglich zur Arbeit geht. Er sagt deshalb lieber: „Ich finde aber großen Halt bei meiner Familie und meinen Freunden.“

Während Schiedsrichterkollege Jürgen Jansen am Freitag mit einer spektakulären Pressekonferenz in die Öffentlichkeit ging, um seine Unschuld zu beweisen, findet Zwayers Aufklärung eher im Verborgenen statt. Nur ein kurzer Auftritt in der Sportschau, mehr soll nicht sein. Noch nicht. Anwalt Uwe Freyschmidt verweist auf das laufende Verfahren: „Wir wollen dem nicht vorgreifen.“ Aber Zwayer ist interessiert daran, dass der Fall möglichst bald aufgeklärt wird, und dass er selbst als das gesehen wird, was seiner Meinung nach der Wahrheit entspricht: als fähiger Schiedsrichter, der selbst nie manipuliert hat, und als derjenige, der die Affäre öffentlich machte.

Den Verdacht, dass Zwayer Spiele manipuliert haben könnte, hatten er und seine Kollegen Olaf Blumenstein, Lutz Michael Fröhlich und Manuel Gräfe schon länger. Es gab Ungereimtheiten, Auffälligkeiten. Aber niemand wollte das Unglaubliche denken. „Als ich dann das konkrete Angebot von Robert Hoyzer bekam, das ich sofort und vehement abgelehnt habe, war der Zeitpunkt gekommen zu reagieren. Ich habe mich dann meinen Kollegen anvertraut“, erzählt Zwayer.

Als das ARD-Kamerateam wieder verschwunden ist, kann Zwayer auch wieder lachen. „Nein, schminken musste ich mich nicht lassen. Das ging noch so.“ Zwayer versucht, seinen Humor nicht zu verlieren. Aber er, sein Anwalt und die Familie wissen, das sein guter Ruf und ein gutes Stück seiner Zukunft auf dem Spiel steht. Deshalb sagt Freyschmidt an die Adresse des DFB: „Ich würde mir wünschen, dass der Verband, der eine Fürsorgepflicht hat, sich entscheidet, Felix Zwayer mehr den Rücken zu stärken.“

Weitere Hintergründe zum Wettskandal lesen Sie auf Seite 19

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben