Fenerbahce Istanbul : Die größte Nummer in Europas Tischtennis

Am Samstag trifft der TTC Eastside in der Champions League auf Fenerbahce Istanbul. Der Türkische Meister ist auch dank seiner Fußballer die größte Nummer in Europas Tischtennis.

Susanne Heuing
Gebürtige Chinesin. Hu Melek ist Fenerbahces einzige türkische Spielerin.
Gebürtige Chinesin. Hu Melek ist Fenerbahces einzige türkische Spielerin.Foto: picture alliance / dpa

Das Herz Millionen türkischer Fußballfans schlug in der vergangenen Saison höher: Als Fenerbahce Istanbul bis ins Halbfinale der Europa League vorgestoßen war, träumten die Anhänger schon vom ganz großen Coup. Die Kanarienvögel, wie sie wegen ihrer gelben Trikots genannt werden, schafften es letztlich nicht, den Europapokal erstmals zu gewinnen. Der mit 300 000 Mitgliedern (nach eigenen Angaben) größte Sportverein der Welt durfte sich aber dennoch über den Gewinn eines europäischen Wettbewerbs freuen. Fenerbahces Tischtennis-Frauen gewannen zum zweiten Mal in Folge den ETTU-Cup. In dieser Saison gehen sie erstmals in der Champions League an den Start, auch dort gelten sie als großer Favorit. Am Samstag tritt der Türkische Meister zum Gruppenspiel beim TTC Eastside an (19.15 Uhr, Sporthalle Paul-Heyse-Straße).

Für einen Aufschwung im türkischen Tischtennis steht der Erfolg der Istanbulerinnen nicht gerade. Bei den Europameisterschaften in Schwechat bei Wien landeten die türkischen Herren unlängst auf Rang 21, die Damen auf Platz 13. Die einzige EM-Einzel-Medaille in der Geschichte des türkischen Tischtennis gewann 2010 die gebürtige Chinesin Hu Melek. Sie, die erst seit 2007 einen türkischen Pass besitzt, ist auch die einzige Türkin, die für Fenerbahce Istanbul in der Champions League aufschlägt. „Wir hoffen schon, dass unsere Nachwuchsspielerinnen irgendwann mal gut genug für die Champions League sind“, sagt Gürhan Yaldiz, Manager der Tischtennis-Abteilung.

Momentan aber kommen diese nur in der türkischen Superleague zum Einsatz, international spielt Istanbul mit Hu Melek, der taiwanesischen Nationalspielerin Cheng I-Ching sowie den mehrfachen Europameisterinnen Viktoria Pawlowitsch (Weißrussland) und Elizabeta Samara (Rumänien). Dass sich die Istanbuler, deren Herren derzeit nicht international spielen, eine solche Mannschaft leisten können, verwundert nicht. Fenerbahce gilt als mit Abstand reichster Klub der Türkei. Darauf angesprochen, muss Gürhan Yaldiz schmunzeln. „Alle denken, dass wir vom Reichtum der Fußballer profitieren. Wir haben aber auch einige eigene Sponsoren“, betont der ehemalige türkische Nationalspieler. Daneben gebe es aber einen Sponsorenpool des Gesamtvereins, aus dem Geld in die kleineren der neun Fenerbahce-Abteilungen fließen.

„Was die Finanzen dort betrifft, das sind Kategorien, die anderen fremd sind“, glaubt Martin Sörös. Der Manager des SVS Ströck (Österreich), in der Vorsaison Champions-League-Halbfinalist, reiste unlängst mit seinem Team zum Auswärtsspiel nach Istanbul – und ist noch immer schwer beeindruckt. „Die Professionalität, Freundlichkeit und Offenheit, mit der uns die Menschen dort begegnet sind, das habe ich bislang selten erlebt“, sagt er. Der Klub verfüge über ein großartiges Sportzentrum, einen eigenen Fernsehsender, die Tischtennis-Abteilung habe „eine unglaublich tolle Halle“. In der verloren sich zum ersten Champions–League-Spiel allerdings nicht mehr als 200 Zuschauer, Frauen-Tischtennis fristet wie vielerorts auch in der Türkei ein Schattendasein. In den entscheidenden Spielen der Vorsaison seien es bis zu 500 gewesen, sagt Yaldiz, zu den Halbfinal- und Finalspielen in der Champions League will Fenerbahce die 1000er-Marke knacken. Das wäre eine stattliche Zahl, zum Vergleich: Die Berlinerinnen schafften in der abgelaufenen Bundesliga-Saison einen Schnitt von gut 100 Zuschauern.

Für das Champions-League-Spiel am Samstag bauen auch sie auf die Strahlkraft des großen Namens Fenerbahce. „Wir hoffen schon, dass einige Zuschauer mehr als sonst kommen, die türkische Gemeinde in Berlin ist schließlich groß“, sagt TTC-Präsident Alexander Teichmann. Gezielt habe man geworben für das Spiel gegen den namhaften Gegner, den Martin Sörös als „Real Madrid des Frauen-Tischtennis“ bezeichnet. In seinem Vergleich kommt der TTC Eastside als „Bayern München des Tischtennis“ allerdings nicht wirklich schlechter weg.

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