Fernando Alonso : Der Sammler will jagen

Ganz Valencia ist rot. Nein, nicht Fußball-rot – Ferrari-rot. Genauer gesagt: Alonso-rot. Alle wollen sie so aussehen wie ihr Idol, der zweimalige Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso. Für den derzeitigen WM-Vierten aus Spanien ist der Auftritt in Valencia nach dem Großen Preis in Barcelona im Mai das zweite Heimrennen des Jahres.

Karin Sturm

Doch nicht nur deshalb freut sich der zweimalige Weltmeister auf den Grand Prix von Europa am Sonntag. Alonsos größter Quell der Vorfreude ist sein neuer Wagen. Ferrari tritt hier mit einem komplett runderneuerten Auto an, das ihn in die Lage versetzen soll, den derzeitigen Spitzenteams Red Bull und McLaren gefährlich zu werden.

In der vergangenen Woche war Alonso mit dem neuen Ferrari bereits auf der hauseigenen Teststrecke in Fiorano unterwegs, offiziell zu „Film- und Werbeaufnahmen“, wie man das heute eben macht, um das offizielle Testverbot zu umgehen. Danach wiegelte der Spanier aber erst einmal ab: „Ich fuhr hinter einem mit Kameras ausgestatteten Wagen – bei Tempo 60 fühlte sich das Auto sehr gut an.“ Er sei zwar einige Runden ohne das bremsende Kameraauto gefahren, „aber da hatte ich ungefähr zehn Kameras am Auto und am Helm, so dass das Fahren nicht besonders komfortabel war“. Außerdem sei er zum ersten Mal in Fiorano gefahren. „Ich kann es also nicht wirklich einschätzen, im Laufe des Wochenendes wird sich dann zeigen, was es wirklich bringt.“ Am Freitag im (wenig aussagekräftigen) zweiten freien Training fuhr Alonso in Valencia jedenfalls schon einmal die schnellste Zeit vor Sebastian Vettel im Red Bull.

Alonso hofft, dass es nun endlich ein Ende hat mit dem Auf und Ab bei Ferrari. Seit seinem Sieg zum Saisonauftakt in Bahrain hat er nicht mehr gewonnen. Mal war der Ferrari dabei konkurrenzfähig, mal fuhr er weit hinterher. Die Gründe dafür sind selbst den Italienern nicht so richtig klar. Durch eher unspektakuläres, aber beeindruckend konstantes Punktesammeln hat sich Alonso dennoch im Windschatten der Spitzenpiloten gehalten und liegt mit 94 Zählern nur 15 Punkte hinter dem WM-Führenden Lewis Hamilton – und vier vor Vettel, der eigentlich das viel schnellere Auto hat.

Alonso hofft nun, mit dem neuen Wagen die Leistung von Montreal mindestens wiederholen zu können, „denn dort konnten wir mit McLaren und Red Bull kämpfen“. Wobei Alonso das große Update, das vor allem aerodynamische Neuerungen bringt, ein bisschen vorsichtig beurteilt: „Wir erwarten, dass wir ein bisschen schneller sind. Aber man muss sehen, dass ja praktisch alle neue Teile hier haben.“ Red Bull etwa setzt erstmals den Beschleunigungskanal „F-Schacht“ ein. „Wir müssen einen größeren Schritt machen“, sagt Alonso, „aber wir sind optimistisch.“

Auf eines kann Alonso auf jeden Fall schon mal bauen: seine Position als Nummer eins bei Ferrari. Während Red Bull mit Sebastian Vettel und Mark Webber sowie McLaren mit Lewis Hamilton und Jenson Button jeweils noch beide Piloten im WM-Titelkampf haben, hat sich der 28-Jährige von seinem Teamkollegen Felipe Massa schon weit abgesetzt. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hat, wenn man teamnahen Quellen Glauben schenken mag, schon die Parole ausgegeben, von nun an voll auf Alonso zu setzen.

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