Fernseh-Silber : Peking unterliegt Athen bei TV-Quoten

Die Olympia-Fernseh-Quoten von Peking bleiben hinter Athen 2004 zurück – nicht nur wegen der schlechteren Sendezeit.

Kurt Sagatz

In Peking sind viele Hoffnungen zerplatzt. Vier Milliarden Zuschauer hatten sich die chinesischen Veranstalter der Olympischen Spiele von der Eröffnungsfeier erhofft, zwei Milliarden waren es nach ersten Berichten, die jedoch nachher auf 1,2 Milliarden revidiert wurden. Auch aus deutscher Sicht ist längst nicht jede Hoffnung in Erfüllung gegangen, nicht nur im Sport – auch wenn die Bilanzen von ARD und ZDF positiv ausfallen. „Die Übertragungen der Wettbewerbe im Ersten haben Marktanteile von mehr als 40 Prozent erzielt – bis zu fünf Millionen Zuschauer fieberten mit, wenn die deutschen Athleten um Medaillen kämpften“, sagte Lutz Marmor, Intendant des für die ARD federführenden Senders NDR am Freitag. Der finanzielle und personelle Einsatz habe sich gelohnt, so Marmor.

Mit einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von 2,1 Millionen blieben die Quoten von Peking allerdings weit hinter denen von Athen zurück, was nicht nur mit der schlechteren Sendezeit zu erklären ist. „Durch die Diskussionen um politische Themen und Doping sind wir mit einem sehr nachdenklichen Gefühl nach Peking gefahren. Und dort ist der Knoten leider nicht ganz geplatzt“, fasst ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz die Zahlen zusammen. Vom Marktanteil seien die Quoten in Ordnung, in absoluten Zahlen lägen die Ergebnisse deutlich hinter Athen, gibt der ZDF-Sportchef zu: „Die tagesaktuellen Nichterfolge der deutschen Athleten haben sich dabei direkt auf das Einschaltverhalten der Zuschauer ausgewirkt.“

Turnen ein Höhepunkt

Zu den Höhepunkten der TV-Übertragungen gehörten der Pferdsprung beim Kunstturnen der Frauen mit 4,87 Millionen Zuschauern, das Reckfinale der Männer unter anderem mit Fabian Hambüchen mit 4,78 Millionen Zuschauer, das Vielseitigkeitsreiten mit 4,74 Millionen sowie das Viertelfinale der Fußball-Damen gegen Schweden, das 4,06 Millionen Menschen sahen.

Die anfänglichen Kommunikationsprobleme mit den Chinesen hatten sich nach den Worten von Walter Johannsen, dem ARD/ZDF Team-Chef, vor Ort schnell gelegt. „Ich möchte ausdrücklich das deutlich erkennbare Bemühen der Chinesen hervorheben, gute Gastgeber zu sein“, sagte Johannsen.

ZDF-Sportchef Gruschwitz will diese Wertung nicht nur rein diplomatisch sehen. „Wenn man die Politik außer acht lässt und die Aussage nur aus Fernsehsicht betrachtet, war China ein guter Gastgeber.“
 
Riesenaufwand

Einsame Spitze war das Engagement von ARD und ZDF beim Aufwand. Über 600 Mitarbeiter aus beiden Häusern waren in Peking akkreditiert. Zusammen mit vier Digitalkanälen kamen die beiden im Wechsel ausstrahlenden Sender täglich auf 60 Sendestunden und zwar von zwei Uhr in der Nacht bis zum Late-Night-Talk bei „Waldi und Harry“ (durchschnittlich 1,7 Millionen Zuschauer). Die Gesamtzuschauerzahl lag – bis Donnerstag – bei durchschnittlich 2,1 Millionen oder einem Marktanteil von 27,6 Prozent. Gegenüber der Halbzeit legten beide Werte leicht zu, blieben aber deutlich unter den Zahlen von Athen. Vor vier Jahren lag die Zuschauerzahl bei 3,34 Millionen.

Im Radio haben rund 26 Millionen Menschen während der Spiele täglich die Beiträge, Reportagen und Expertengespräche des ARD-Hörfunkteams in Peking verfolgt. Äußerst erfolgreich war das ARD-Olympiaangebot www.peking.ard.de. Seit dem Start wurde es mehr als 11,7 Millionen Mal angeklickt, der Fernseh-Livestream mehr als 1,7 Millionen Mal angesehen. Der zugriffsstärkste Tag war der 19. August: Allein an diesem „Goldtag“ unter anderem für Gewichtheber Matthias Steiner erzielte peking.ard.de über 1,4 Millionen Zugriffe.

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