Sport : Fernsehen für die Konjunktur

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Robert Ide über den Fußball-Konsum

im Freizeitpark Deutschland

Helmut Kohl hatte doch Recht. Der Altkanzler hat die Deutschen einst geziehen, in einem kollektiven Freizeitpark zu leben. Sie würden den Staat nur ausnutzen, anstatt ihn zu reformieren. Kohl wurde für diese Worte hart kritisiert. Seine Äußerung kam sogar in die engere Auswahl für das Unwort des Jahres. Dabei war sie doch richtig.

Nehmen wir nur mal unseren Fußball- Fernseh-Konsum. Am vergangenen Samstag der Schlussspurt um die Meisterschaft, am Mittwoch Dortmund im Uefa-Cup-Finale, am Donnerstag das Länderspiel gegen Kuwait. Und es geht weiter: Pokalfinale, Champions-League, noch mehr Länderspiele. Und immer sitzen Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm. Es gibt ja sonst nichts zu tun.

Wenn in drei Wochen die Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea beginnt, wird die Fußball-Sucht der Deutschen noch steigen. Die Lust auf Mehrung des Brutto-Sozialprodukts geht dagegen gegen Null. Denn die Spiele aus Asien werden morgens und mittags übertragen. Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, hat die Unternehmen nun erneut aufgefordert, das Fußball- Gucken während der Arbeitszeit zu erlauben. „Die Fernsehzeit könnte als verlängerte Mittagspause gelten und später nachgearbeitet werden“, meint Beck. So ist es Recht.

Beck hat erkannt, was wir alle wollen: Freizeit, Freizeit, Freizeit. Und zwar am Arbeitsplatz. Sechs Wochen fußballfrei, gültig ab sofort – das würde die Laune im Lande heben. Und dazu noch den ersehnten Konjunkturaufschwung bringen. Denn Streiks für mehr Lohn würden dann auch ausfallen.

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