Fernsehen mit Markus Richwien : "Ist mal wieder verdammt eng"

Füchse-Spieler Markus Richwien verfolgt die Handball-WM wegen einer Verletzung nur vom Fernseher aus. Beim Gruppenspiel gegen Montenegro braucht er Schokoriegel für die Nerven.

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Zuschauer wider Willen: Markus Richwien arbeitet an seiner Rückkehr.
Zuschauer wider Willen: Markus Richwien arbeitet an seiner Rückkehr.Foto: dapd

Berlin - Nervennahrung gehört einfach dazu. „Ist mal wieder verdammt eng“, sagt Markus Richwien, bevor er sich von seinem Platz in der Cafeteria des Horst-Korber-Sportzentrums erhebt. Auf dem linken oberen Bildrand des Röhrenfernsehers wird der Halbzeitstand der Partie eingeblendet, die knapp 2000 Kilometer südwestlich ausgetragen wird, im spanischen Granollers. Deutschlands Handballer führen bei der WM mit 13:11 gegen Montenegro – eine enge, eine umkämpfte Begegnung. „Ich brauche jetzt erst mal einen Schoko-Riegel“, sagt Richwien, während der Betreiber der Cafeteria Bier für die kleine Runde zapft, die sich im Trainingszentrum der Füchse Berlin zusammengefunden hat. Im Laufe des Abends schauen ein paar ältere Herren vorbei, die zunächst am Nebentisch konferiert haben. Jetzt fachsimpeln sie mit dem Nationalspieler, man kennt sich.

Dabei sollte Richwien eigentlich gar nicht in Berlin, sondern in Spanien sein. Mit beständig guten Leistungen hatte sich der Rechtsaußen des Berliner Bundesligisten ins Nationalteam gespielt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass mich Martin Heuberger zur WM mitgenommen hätte“, sagt der 27-Jährige, „aber dann kam diese blöde Verletzung dazwischen.“ Anfang November war Richwien im Punktspiel gegen den Lemgo umgeknickt. Diagnose: Außenbandverletzung im Sprunggelenk, Anriss der Wadenmuskulatur. „Der Bundestrainer hat sich tags darauf direkt nach meinem Befinden erkundet“, erzählt Richwien. „Das war einerseits schön, weil es zeigt, dass er offenbar mit mir geplant hatte. Andererseits war es natürlich umso bitterer“, ergänzt der gebürtige Magdeburger, der gerade an seinem Comeback arbeitet. Just vor dem Treffen hat Richwien unter der Aufsicht von Athletikcoach Erik Helm die x-te Krafteinheit in den vergangenen Wochen absolviert, Tag für Tag wird die Belastung für das angeschlagene Sprunggelenk gesteigert, idealerweise soll er nächste Woche wieder mit der Mannschaft trainieren, dann auch endlich wieder mit Ball. „Zum Rückrundenstart Anfang Februar will ich fit sein“, sagt Richwien. Solange gibt Handball eben nur im TV. Auch wenn ihm das sichtlich schwer fällt.

Große Emotionen zeigt der Rechtsaußen beim Spiel gegen Montenegro allerdings nicht, das entspricht seinem Naturell. „Ich bin ein ruhiger Typ“, sagt er, „kein Lautsprecher.“ Vielmehr einer, der die Sache fachlich-analytisch angeht. Und der mit zunehmender Spieldauer und wachsender Führung des deutschen Teams zur Erkenntnis gelangt, „dass die Mannschaft immer besser miteinander harmoniert, vor allem in der Defensive.“ Bei allen Floskeln, möge ihr Wahrheitsgehalt noch so hoch sein, findet Richwien aber auch kritische Worte. „Mir hat zum Beispiel nicht gefallen, dass man das Spiel gegen Argentinien so hoch bewertet hat“, sagt er, „das ist ein Pflichtsieg“.

Derweil hat Michael Haaß nach einem 7:0-Lauf der Deutschen zum 21:14 getroffen. Richwien, der sich zwischendurch nervös mit den Fingern durch die Haare gefahren ist, atmet durch. „Das war's“, sagt er, „keine zweite Niederlage gegen Montenegro.“ Gegen den Balkanstaat hatte das Nationalteam im November in der EM-Qualifikation eine der schlechtesten Leistungen der vergangenen Jahrzehnte gezeigt und eine 27:31-Niederlage kassiert. „Kein Kommentar dazu“, sagt Richwien mit einem Augenzwinkern, „wir schauen jetzt nach vorn.“

Auf den Gegner im letzten Vorrundenspiel – der heißt heute Frankreich (18.15/ARD) und gilt als einer der großen Turnierfavoriten. „Ich werd’s mir natürlich ansehen“, sagt Richwien, „in diesem Spiel können wir eigentlich nur gewinnen.“ Ein bisschen Nervennahrung kann wohl trotzdem nicht schaden. Nur für den Notfall. Christoph Dach

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