Sport : Fernsehen statt Training

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Berlin. Georgi Wassilew hat ihm eine letzte Chance eingeräumt. Aber nicht in der üblichen Form. Er hätte nämlich auch zu Bozo Djurkovic hingehen können und ihn beknien, dass er doch, bitteschön, wieder mitmachen solle, es mangele dem 1. FC Union schließlich an Stürmern, und bei einem wie Djurkovic wisse man eben, was man an ihm hat. Der Fußballlehrer Wassilew hat nichts dergleichen getan. Er hat nur abgewartet. Und beobachtet, wie sich Djurkovic verhält. Nach einer Woche stellte Wassilew fest: „Ich habe immer gehofft, dass er genügend Ehrgeiz hat und sich von selbst anbietet, mal nachfragt, ob er mittrainieren darf.“ Eine trügerische Hoffnung. Wassilew: „Bozo sitzt zu Hause vor dem Fernseher und wartet darauf, dass sich die Leute bei ihm melden. Ich bin menschlich schwer enttäuscht von ihm.“

Eine Rückkehr von Djurkovic zum Zweitligisten 1. FC Union steht deshalb nicht mehr zur Debatte. Trotz Stürmernot, nachdem ja auch Harun Isa recht überraschend zum Regionalligisten VfL Osnabrück gewechselt ist. Djurkovics Abschied von Union hat eine lange Vorgeschichte - mit vielen kleinen und großen Pokerrunden. Der Vertrag des 30-Jährigen war zum Saisonende 2001/02 ausgelaufen. Beide Seiten schienen nicht abgeneigt, die Zusammenarbeit fortzusetzen. Djurkovic war 21 Mal in der Zweiten Liga zum Einsatz gekommen, damit durchaus eine erfahrene Kraft. Doch die Kirch-Krise zwingt Union nun mal, wie alle anderen Klubs auch, zum Sparen. Man unterbreitete Djurkovic also ein Vertragsangebot zu reduzierten Bezügen. Union wähnte sich bei der Gehaltskürzung auf moralisch sicherem Boden, indem man argumentierte, Djurkovic habe es zwar auf insgesamt 1072 Minuten Spielzeit in der Zweiten Liga gebracht, aber für einen Stürmer sei seine Ausbeute mit einem einzigen Tor zu dürftig. Djurkovic maulte, pokerte mit angeblichen Angeboten von Eintracht Trier und Eintracht Frankfurt, Union zeigte null Entgegenkommen.

Nun bleibt alles beim Alten: Union sucht einen Stürmer, Djurkovic hockt daheim in Altglienicke vor dem Fernseher. Und keinem ist damit geholfen. Karsten Doneck

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