Ferrari : Barrichello geht, Massa kommt

Das Ferrari-Erfolgsduo Michael Schumacher und Rubens Barrichello wird gesprengt: Der stets im Schatten des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters stehende Brasilianer verlässt die Scuderia nach sechs Jahren frustriert und wechselt zu BAR-Honda.

Budapest (31.07.2005, 15:57 Uhr) - Barrichellos Landsmann Felipe Massa vom Sauber-Team soll in der nächsten Saison Schumachers neuer Teamkollege werden. Mit diesen Paukenschlägen ist das Fahrerkarussell beim Großen Preis von Ungarn nach dpa-Informationen gewaltig in Schwung gekommen. Der Cockpit-Coup wirkt sich auch auf Nick Heidfelds Grand-Prix-Zukunft aus.

«Es gibt dazu momentan nichts zu sagen. Wir können nicht jedes aufkommende Gerücht kommentieren», vermied Ferrari-Sprecher Luca Colajanni am Sonntag in Budapest ein klares Dementi. «Wir haben zwei Fahrer mit Verträgen bis 2006.» Schumacher war zu keiner Stellungnahme bereit. Der Champion aus Kerpen hatte 2000 im ersten gemeinsamen Jahr mit Barrichello den ersten von inzwischen fünf WM-Titeln mit Ferrari geholt. Das erfolgreichste Duo der Grand-Prix-Geschichte gewann fünf Mal in Serie die Konstrukteurs-WM.

Spekulationen über einen vorzeitigen Ausstieg des wegen seines Wasserträgerstatus' frustrierten Barrichello geisterten seit langem im Fahrerlager herum. In dieser Saison hatte der Brasilianer Schumacher mehrfach scharf attackiert und damit offen signalisiert, dass er auf dem Absprung ist. Seinen Wechsel zu BAR-Honda wollte Barrichello, wie in der PS-Branche üblich, nicht bestätigen. «Das sind lauter Erfindungen von Leuten, denen langweilig ist», sagte er genervt. Auch eine BAR-Sprecherin blockte ab: «Kein Kommentar.» Teamchef Peter Sauber, für den Massa bis zum Saisonende fährt, sagte: «Das mit Barrichello habe ich auch gehört. Bei Felipe ist alles offen.»

So lange wie Barrichello hielt es bislang kein Fahrer unter dem deutschen Superstar aus. Auch wenn die selbst ernannte «Nummer 1b» immer wieder vom WM-Gewinn während der Schumacher-Ära träumte, kam der neunmalige Grand-Prix-Sieger nie über eine Nebenrolle hinaus. Bei BAR-Honda sieht der 33 Jahre alte Südamerikaner bessere Perspektiven für sich, zumal dort Jenson Button trotz aller Widerstände und der Bereitschaft, sich für drei Millionen Euro aus seinem Vertrag bei Williams freikaufen zu wollen, zu Williams gehen muss.

Der Massa-Transfer zur Scuderia war seit längerem systematisch eingefädelt worden. Nach einem Aufbaujahr bei Sauber-Petronas holte Ferrari das viel versprechende Talent 2003 als Testfahrer zu sich und nahm ihn gleichzeitig unter Vertrag. Danach kehrte Massa zu dem Schweizer Rennstall zurück. Seit gut einem Jahr managt Nicolas Todt, der Sohn von Ferrari-Teamchef Jean Todt, den Brasilianer. Somit konnten die Verhandlungen im Familienkreis vorangetrieben werden.

Schumacher will über eine mögliche Fortsetzung seiner Karriere nach Ablauf seines Vertrags Ende 2006 erst Mitte nächster Saison entscheiden. «Es gibt keinen Grund, frühzeitig zu verlängern, weil viele Faktoren für diese Entscheidung wichtig sind», hatte er schon im Winter verkündet. Einen Wechsel zu einem anderen Rennstall hat Schumacher wiederholt ausgeschlossen. Sein Manager Willi Weber bestätigte in Budapest: «Wir haben schon oft erklärt, dass wir erst Mitte 2006 verhandeln.»

Für Heidfeld wächst durch den Doppel-Wechsel die Chance, für das künftige BMW-Team zu fahren. Mit Sauber-Mann Massa scheidet ein möglicher Konkurrent aus. Zudem erklärte Frank Williams, dass Button auch gegen dessen Willen zu seinem Team kommen müsse. Da der Brite auf Heidfeld nur eine bis Ende August einzulösende Option mit Rennfahrer-Garantie hat, ist es wahrscheinlich, dass Williams den Mönchengladbacher zum jetzigen Partner BMW ziehen lässt. Heidfeld hielt sich bei diesem heiklen Thema zurück: «Ich darf zu Vertragsinhalten nichts sagen.» (Von Elmar Dreher, dpa)

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