Ferrari in der Krise : Viele Worte, wenig Speed

Fernando Alonso droht im Finale der Formel-1-WM den Anschluss an Sebastian Vettel zu verlieren. Vor dem Rennen in Indien kritisiert der Spanier sein Team harsch - es ist nicht das erste Indiz für Nervenflattern bei Ferrari.

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Neidischer Blick auf den Nachbarn. Fernando Alonso (r.) musste zuletzt dreimal in Folge erleben, wie Sebastian Vettel jubelte. Inzwischen führt der Deutsche auch in der WM.
Neidischer Blick auf den Nachbarn. Fernando Alonso (r.) musste zuletzt dreimal in Folge erleben, wie Sebastian Vettel jubelte....Foto: AFP

Greater Noida - Das Fahrerhotel Jaypee Green Resort ist eine Luxusoase in der Nähe der Rennstrecke von Greater Noida, die inmitten der sonstigen Umgebung wirkt, als wäre sie von einem anderen Stern. Am Mittwochabend saß Fernando Alonso hier beim Abendessen, ganz locker und entspannt. Sogar ein Lächeln war ihm zu entlocken. Aber das war wohl ein bisschen gespielt. An und auf der Strecke zeigte sich zuletzt, dass inzwischen wohl auch beim abgebrühtesten Formel-1-Fahrer der Gegenwart die Nerven ein bisschen flattern, weil sein Titelrivale Sebastian Vettel im Red Bull davonzueilen scheint. Vor dem Großen Preis von Indien am Wochenende keilte Alonso sogar in Richtung seines eigenen Teams Ferrari aus. „In den letzten fünf, sechs Rennen haben wir nicht wirklich etwas Positives gefunden“, erklärte der Weltmeister von 2005 und 2006 ziemlich deutlich. „Bei uns wird viel geredet und es passiert wenig – bei anderen Teams ist das eher umgekehrt“, meinte er. „Es heißt immer, was wir alles tolles Neues haben, und dann merkt man im Auto nicht wirklich was.“

Alonsos Ärger ist verständlich. Red Bull hat in den vergangenen Wochen deutlich größere Fortschritte bei der Entwicklung des Autos gemacht als Ferrari. Zum einen, weil Ferrari gewaltige Probleme mit dem hauseigenen Windkanal hatte, der über längere Zeit falsche Daten lieferte. Zum Teil ist es aber auch Konsequenz der erfolgreichen Entwicklungsarbeit von Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey, der Vettels Wagen in Kleinstarbeit wieder zum schnellsten im Feld machte.

In Indien bringt Ferrari zwar ein paar Neuerungen im Bereich Auspuff, Flügel und Diffusor mit. Testfahrer Marc Gene sprach von einem Zeitgewinn von zwei bis vier Zehnteln pro Runde. Das wird aber wohl nicht reichen, um Vettel wirklich unter Druck zu setzen. Und selbst an diesem Zeitgewinn scheint Alonso zu zweifeln: „Mal sehen, ob es diesmal was bringt – das wird sich erst auf der Strecke zeigen.“

Dass Alonso und Ferrari allmählich nervös werden, zeigen auch ein paar Zwischenfälle aus den vergangenen Wochen. Schon in Monza versuchte er bei seinem mehr als gewagten Überholversuch gegen Vettel, dem Weltmeister auch psychisch eine mitzugeben. Nüchtern betrachtet war die Aktion riskant und überflüssig – wenig später konnte der Spanier sowieso problemlos vorbeifahren. Auch in Suzuka, als Alonso nach seinem Unfall mit Kimi Räikkönen zunächst den Finnen beschuldigte, musste er nachher zurückrudern und zugeben, bei der Aktion selbst auch nicht optimal agiert zu haben. Ungewöhnlich eigentlich für Alonso, der in der ersten Saisonhälfte vor allem dadurch bestach, aus der geringsten Chance das Optimale heraus zu holen. Aber eben auch ein Zeichen, dass der Druck wächst.

Auch das Gerücht, Vettel habe für 2014 einen Vertrag bei Ferrari unterschrieben, wird als gezielt gestreutes Ablenkungsmanöver der Italiener interpretiert. Aus den oberen Führungsetagen stammte die angebliche Information allerdings definitiv nicht, vermutlich handelte es sich um den Alleingang eines Wichtigtuers.

Wirkung zeigt so etwas bei Sebastian Vettel sowieso nicht. „Ob Ferrari nervös ist? Da müsst ihr schon die selber fragen“, sagte er in Indien grinsend. „Natürlich ist unser Ziel, auch hier wieder zu gewinnen.“ Das wäre dann sein zweiter Sieg in Indien und sein vierter in Serie in diesem Jahr – etwas, was er in seiner Karriere noch nie geschafft hat. „Das wäre natürlich schon nochmal was Besonderes.“ Und vermutlich ein vorentscheidender Schlag gegen Ferrari und Fernando Alonso. Karin Sturm

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