Sport : Ferrari kann nicht verlieren

Die Italiener inszenieren vor dem Formel-1-Finale einen Reifenkrieg

Karin Sturm

Monza. Ferrari rief – und die Fia reagierte. Zwölf Tage vor dem Großen Preis von Italien in Monza hat der Internationale Automobilverband seine Position bekräftigt, die Reifen-Breiten auch nach dem Rennen nachzumessen und nicht nur, wie bisher, vor dem Start. Damit spitzt sich die Reifen-Diskussion in der Formel 1 zu. Hintergrund des Konflikts ist, dass die Reifen von Michelin während eines Rennens angeblich eine größere Auflagefläche als die erlaubten 270 Millimeter aufwiesen. Breitere Reifen bringen bessere Bodenhaftung. Ferrari fährt mit Reifen von Bridgestone, Williams-BMW und McLaren-Mercedes mit Pneus von Michelin. Das ist ein Querschuss mitten in der entscheidenden WM-Phase – genau zu dem Zeitpunkt, da Ferrari eine Niederlage droht.

Überraschend kommt der Vorstoß nicht. „Wir kennen aus der Erfahrung etliche WM-Finals mit Kontroversen. Und wie alle vorherigen kommt auch diese nicht von uns“, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Im Jahr 2000 etwa wurde plötzlich das Material Beryllium mit dem Hinweis auf Gesundheitsgefährdung für die Motorenherstellung verboten. Ferrari hatte damals Druck gemacht, weil man selbst an den kostbaren Stoff nicht herankam. 1999 nahm die Fia völlig überraschend die Disqualifikation von Eddie Irvine und Michael Schumacher aus Malaysia wegen illegaler Windabweiser zurück, obwohl Ferrari-Verantwortliche damals schon vor Ort zugegeben hatten, dass die Teile nicht den Regeln entsprachen. Und 1998 wurde gleich zu Saisonbeginn, als sich die Überlegenheit von Mercedes andeutete, ein zuvor von der Fia ausdrücklich genehmigtes Bremssystem am McLaren-Mercedes verboten. Wieder hatte Ferrari interveniert.

„Für uns ist das ganze Thema nicht nachvollziehbar, wir gehen in aller Ruhe nach Monza“, sagt Haug. Ähnlich klang auch BMW-Motorsportchef Mario Theissen nach einem Gespräch mit Michelins Rennchef Pierre Dupasquier: „Wir sehen das sehr gelassen. Ein Reifen, der 13 Rennen lang legal und absolut in Ordnung war, kann ja nicht auf einmal illegal sein“, sagt Theissen. Auch Michelin bleibt hart. Bei den Testfahrten in Monza in dieser Woche sind die Michelin-Teams mit den ganz normalen, für den Italien-Grand-Prix vorgesehenen Reifen unterwegs. Und so wird es auch im Rennen sein. Michelin lässt es auf einen eventuellen Machtkampf mit der Fia ankommen: „Wenn die in Monza plötzlich zehn Autos disqualifizieren wollen, dann sollen sie mal“, sagt Pascal Vasselon, zweiter Mann im Michelin-Rennmanagement.

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