Sport : Ferrari mit Schnauzbart

Man möchte meinen, die Konstrukteure bei Ferrari hätten keine Ahnung von Autos. Basteln an einer neuartigen Motor-Getriebe-Einheit, gestalten das Multifunktionsdisplay im Lenkrad übersichtlicher und erhöhen den Titan-Anteil im Getriebe. Das Wichtigste jedoch vernachlässigen die Herren Formel-1-Konstrukteure in schöner Regelmäßigkeit: den Wohlfühlfaktor des Autos.

Im vergangenen Jahr schickten sie den Ferrari mit einer Hakennase auf die Rennstrecken dieser Welt. Als Modell "Julius Cäsar" musste es zwischen Hockenheim und Malaysia herumkurven. Das war natürlich ein schwerer Schlag für das erfolgsverwöhnte Auto. Andere legen sich wegen einer solchen Nase beim Schönheitschirurgen unter das Skalpell, bei Ferrari benutzt man das Werkzeug, um ausgerechnet einen solchen Gesichtserker entstehen zu lassen. Es kann nur an den Überzeugungskünsten von Michael Schumacher gelegen haben, dass sich das Auto nicht schon beim ersten Rennen in Melbourne weigerte, in die Öffentlichkeit zu fahren. Dass es mit Michael Schumacher anschließend sogar zum Weltmeistertitel raste, zeugt vom guten Charakter des Ferraris. Er ist nicht nachtragend.

In diesem Jahr haben die Konstrukteure das Problem erkannt und begradigten die Nase des Ferraris. Wie nach einer gelungenen Schönheitsoperation steht sie nun wieder am Chassis oben und waagerecht. Allerdings hinterlässt der Ferrari des Jahres 2002 nun einen hochnäsigen Eindruck. Doch das macht nichts. Ein Auto, das zweimal in Folge mit seinem Fahrer den Weltmeistertitel holt, darf ruhig ein bisschen Arroganz ausstrahlen. So richtig verstanden haben die Konstrukteure die Sache mit dem Wohlfühlfaktor jedoch noch nicht so ganz. Den Frontflügel des neuen Ferraris gestalteten sie so, dass die Nachrichtenagentur "dpa" diese Gesichtspartie "schnauzbartartig" nennt. Schon wieder ein Missgriff, eine solche Zierde ist momentan sogar in der Türkei aus der Mode.

Falls also Michael Schumacher in der kommenden Saison nicht Weltmeister wird - jetzt wissen Sie, warum.

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