Sport : Ferrari muss kämpfen

Trotz Schumachers Sieg in Frankreich hat sich gezeigt: Die anderen sind dran

Karin Sturm

Magny-Cours - Willi Weber hat seine ganz eigene Definition von Spannung. Der Manager von Michael Schumacher trauert dem einzigen Ausfall seines Klienten in dieser Formel-1-Saison hinterher. „Wenn Michael auch noch in Monaco gewonnen hätte, dann wäre das doch für die Fans noch eine ganz besondere, zusätzliche Spannung“, sagte Weber nach Schumachers Sieg in Magny-Cours beim Grand Prix von Frankreich. „Sie könnten dann bei jedem Grand Prix schauen, ob er es vielleicht tatsächlich schaffen könnte, alle 18 Saisonrennen zu gewinnen.“ Dieser eigenwilligen Ansicht möchte sich in der Formel 1 nach neun Schumacher-Siegen in zehn Rennen keiner so recht anschließen. Die meisten Beteiligten sind froh, dass Schumacher zumindest nicht mehr alle 18 Grand Prix gewinnen kann.

Sie fragen sich eher, wann Schumacher seinen siebten Titel perfekt machen wird. Wenn die Siegesserie so weitergeht, könnte das schon bei den Rennen in Spa-Francorchamps (Nummer 14) oder Monza (15) der Fall sein. Immerhin bleibt der Trost, dass die Lage nach dem alten Punktesystem, das bis 2002 galt, noch trostloser wäre. Dann hätte Schumacher noch 20 Punkte mehr Vorsprung auf seinen Teamkollegen Rubens Barrichello und läge nun mit 42 Zählern vorn.

Es gibt aber tatsächlich Experten, die an das Ende der Ferrari-Dominanz noch vor Saisonende glauben. In Frankreich hat sich angedeutet, dass die anderen zumindest ein bisschen näher gekommen sind. Zum ersten Mal seit vielen Rennen mussten Schumacher und Ferrari kämpfen, mussten sich gegen Fernando Alonso im Renault schon eine ausgefallene Strategie überlegen: Schumachers Renningenieur Luca Baldisserri war es, der auf die Idee gekommen war, dass man angesichts der kurzen Boxengasse mit vier Stopps sogar schneller sein könnte als mit drei. „Uns fehlt nicht mehr viel, um Ferrari zu schlagen“, glaubt Renaults Teamchef Flavio Briatore. Auch er musste aber zugeben, dass die Franzosen auf ihrer Heimstrecke einen gewissen Vorteil hatten. Der nächste Kurs in Silverstone/England dürfte eher den BAR- Honda entgegenkommen. „Wir haben dort sehr, sehr viel getestet“, sagt BAR-Fahrer Jenson Button. „Da will ich wirklich um den Sieg mitfahren.“

Davon ist BMW-Williams noch ein Stück entfernt. Teamchef Frank Williams hofft aber immer noch, dass das neue Aerodynamik-Paket, wenn es erst einmal richtig getestet ist, den gewünschten Sprung nach vorne bringt. Optimistisch ist man auch bei McLaren-Mercedes, wo der neue Wagen bei seiner Premiere eine gute Leistung zeigte. „Zeitweise war Ferrari in dieser Saison eineinhalb Sekunden pro Runde schneller als wir, jetzt waren es nur noch 0,4“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. „Das zeigt, dass wir uns in die richtige Richtung entwickelt haben.“ McLaren-Chef Ron Dennis will sich damit nicht zufrieden geben: „Dieses Auto hat das Potenzial, auch wieder Rennen zu gewinnen.“ Die meisten in der Formel 1 hoffen, dass es auch gelingt. Außer Michael Schumacher und Willi Weber vielleicht.

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