Ferrari und McLaren : Suche nach Harmonie

Ferrari und McLaren haben neue Piloten-Teams.

Karin Sturm

MCLAREN

Mit gleich zwei Weltmeistern – Lewis Hamilton und Neuzugang Jenson Button – im Team kann das Ziel für McLaren-Mercedes nur lauten, nach einem zumindest am Anfang ganz schwachen Jahr 2009 in dieser Saison wieder um den Titel mitzufahren. Und noch etwas wollen die Briten natürlich um jeden Preis: Mercedes GP schlagen – um der Führung in Stuttgart zu beweisen, dass es falsch war, auf die Karte Brawn als neues Werksteam zu setzen. An den letzten beiden Testtagen in Barcelona machte McLaren mit neuen Aerodynamikteilen einen deutlichen Sprung nach vorne und fuhr auf absolutem Spitzenniveau – und nachdem der neue, etwas umstrittene Heckflügel mit dem „Loch“ inzwischen vom Weltverband Fia als legal genehmigt ist, braucht man auch in diesem Punkt nichts mehr zu fürchten.

„Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind wir unglaublich viel weiter“, sagt Lewis Hamilton, „aber ob das weit genug ist, um auf Anhieb zu gewinnen, das wage ich noch nicht zu sagen.“ Auch nach dem ersten Training in Bahrain fehlten dem Weltmeister von 2008 noch „die Orientierungspunkte, wo wir wirklich stehen“ – auch wenn es in der Zeitenliste sehr weit vorne war. „Aber keiner weiß, was die anderen gemacht haben.“

Zumindest seinen Teamkollegen Button scheint Hamilton, der sich seit neuestem nicht mehr von seinem Vater Anthony managen lässt, bis jetzt recht sicher im Griff zu haben. Ob sich der Champion von 2009, Jenson Button, mit seinem plötzlichen Wechsel von seinem Weltmeisterteam, Brawn beziehungsweise Mercedes, zu McLaren wirklich einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten. In Bahrain bestätigte sich im ersten Training, dass Hamilton im Team die Führungsrolle bereits übernommen hat – nicht nur, weil er zweimal schneller war. Schaut man dem Team ein bisschen zu, scheint es sich doch mehr um die bisherige Nummer eins zu drehen als um den neu dazugekommenen amtierenden Weltmeister.

Worauf Button bei dem Duell ein bisschen hofft: Dass seine ruhige, reifenschonende Fahrweise dem neuen Reglement ohne Nachtanken mehr entgegenkommt als Hamiltons aggressiver Stil, der die Reifen deutlich mehr fordert. Eines ist jedenfalls jetzt schon klar: Die britischen Medien beäugen dieses Duell mit Argusaugen – und ob die derzeit zur Schau getragene freundliche Kameradschaft zwischen den beiden lange anhält, ist mehr als fraglich. Karin Sturm

FERRARI

Die beiden Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa verbreiten vorsichtigen Optimismus. Auch wenn sie gestern im Training nicht vorne standen, Sorgen machen sie sich nicht. „Jeder hat heute ein anderes Programm gefahren, ich habe ein gutes Gefühl“, sagt Ferarri- Neuzugang Alonso. Es ist dem Spanier anzusehen, dass er sich bei Ferrari wohlfühlt – so strahlend und gelöst sah man ihn schon lange nicht mehr. „Das ist einfach zu verstehen“, sagt er. „Ich arbeite jetzt an dem Ort, von dem ich immer geträumt habe. Die ganze Umgebung, die Leute, die Kultur, das alles hat sehr viel mit mir zu tun. Hier bin ich wirklich glücklich.“

Zu der Kultur, die er meint, zu der Latino-Art, passt und gehört auch Teamkollege Felipe Massa – auch wenn viele Beobachter schon einen teaminternen Krach kommen sehen. Früher, als sie noch in verschiedenen Teams fuhren, gerieten die beiden häufiger aneinander. Fernando Alonso aber behauptet: „Wir verstehen uns viel besser, als alle Leute denken. Die Auseinandersetzungen, die wir mal hatten, sind Schnee von gestern.“ Felipe Massa gilt in der öffentlichen Meinung nur als der Außenseiter im internen Ferrari-Duell, doch kampflos aufgeben wird der Brasilianer nicht.

Nach seinem schweren Unfall beim Grand Prix in Budapest 2009 feiert Massa in Bahrain nun sein Comeback. Auch Michael Schumacher schätzt Massa durchaus als ernsthaften Konkurrenten ein. Er weiß genau, was der kleine Brasilianer, der nach außen hin immer noch ein bisschen jungenhaft-verspielt wirkt, zu leisten imstande ist. In den vergangenen Jahren und im Zuge seiner Unfallerfahrung könnte Massa zu einem absoluten Top-Piloten gereift sein. „Alle reden immer nur über Alonso, wenn sie von Ferrari als WM-Kandidaten sprechen“, sagt der ehemalige Ferrari-Pilot Schumacher. „Aber Felipe muss sich da wirklich nicht verstecken, wenn man sich die Zeiten anschaut, die er während der Testphase hingelegt hat.“

Auch innerhalb des Rennstalls gibt es viele, die Felipe Massa in dem Duell mit dem zweimaligen Weltmeister aus Spanien durchaus Chancen einräumen: „Der Felipe Massa von heute ist in jeder Beziehung der stärkste, den es ja gab. Körperlich, mental, fahrerisch“, sagt ein Insider. „Es klingt vielleicht komisch, aber wir haben wirklich das Gefühl, dass er durch den Unfall sogar noch besser geworden ist.“

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