Sport : Fest der Versöhnung

Hamburg wird von seinen Fans erst beschimpft, nach dem 2:1 gegen Stuttgart aber gefeiert

Karsten Doneck

Hamburg. Die Stimmung war gereizt, der HSV-Fan grollte. Ein 0:6 und seine Folgen. Aus Protest gegen das Debakel vor einer Woche bei Werder Bremen blieb auf der Nordtribüne, also dort, wo gewöhnlich die am lautesten anfeuernden Anhänger Platz finden, ein großer Block bei Spielbeginn leer. „Dieser Block ist euer Lohn“, hatten wütende Fans auf ein Transparent gepinselt. Schon zuvor war beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung jeder Name eines HSV-Spielers mit gellenden Pfiffen bedacht worden.

90 Minuten später hatte sich der Hamburger SV mit seinem Anhang wieder versöhnt. 2:1 (1:0) gewannen die Norddeutschen gegen den mit der direkten Qualifikation für die Champions League liebäugelnden VfB Stuttgart. „Steht auf, wenn ihr für Hamburg seid“, sangen die Fans – und viele der 55 000 Zuschauer erhoben sich von den Sitzplätzen. Stefan Beinlich mit einem Freistoß sowie Hoogma per Kopfball nach Freistoß von Beinlich hatten den HSV gegen einen in der Offensive zunächst harmlosen VfB – ohne den gelbgesperrten Nationalstürmer Kevin Kuranyi – in Führung gebracht, Cacau gelang erst kurz vor Schluss der Anschlusstreffer, zu spät jedenfalls, um den engagierten HSV noch unruhig werden zu lassen.

Der Hamburger Torhüter Stefan Wächter, hinter dessen Tor sich nach Spielbeginn die Fan-Demo abgespielt hatte, fand es „verständlich, dass die Leute so reagieren“, war nachher aber auch stolz: „Eine bessere Antwort hätten wir wohl kaum geben können.“ Allerdings machte der VfB Stuttgart den Hamburgern die Rehabilitation auch verhältnismäßig einfach. Lange Zeit „zu zaghaft“, sei seine Mannschaft gewesen, sagte Stuttgarts Trainer Felix Magath. Und: „Ein Kevin Kuranyi ist bei uns eben nicht zu ersetzen.“ Vielleicht hätten die Gäste auch mehr erreicht, wenn Gomez nach 67 Minuten ein bisschen genauer gezielt hätte. Dem Stuttgarter gelang es zwar, HSV-Torwart Wächter zu umkurven, doch dann traf er aus spitzem Winkel nur den Innenpfosten des leeren Hamburger Tores.

Die Hamburger Fans atmeten auf – und Klaus Toppmöller, der HSV-Trainer, reichte ihnen nach Spielschluss auch noch die Hand, obwohl er sich vor der Partie bei Nennung seines Namens über die Lautsprecher der AOL-Arena neben Pfiffen auch laute Buhrufe gefallen lassen musste. „Wir sollten in Zukunft alle gemeinsam den Schulterschluss üben, nur so geht es doch“, sagte Klaus Toppmöller. Wenn es nur immer so einfach wäre.

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