Sport : Festgeld gegen Ölmilliarden

Sven Goldmann

über ungewohnte Sympathien für den FC Bayern Wenn der FC Bayern München gegen eine deutsche Großmacht von einst spielt, sagen wir Borussia Dortmund, dann rufen die Fans schon mal: „Wenn wir wollen, kaufen wir euch auf!“ Was werden sich die Münchner wohl am 6. April im Viertelfinale der Champions League anhören? Sie haben es ja eher selten mit einem Gegner zu tun, der die stete Gefahr feindlicher Übernahmen verkörpert. Roman Abramowitsch, der milliardenschwere Besitzer des FC Chelsea, hätte durchaus die Mittel, den gesamten Münchner Kader aufzukaufen, von Ballack bis Makaay, von Kahn bis Pizarro. Zum strategischen Ziel für das Jahr 2014 hat Geschäftsführer Peter Kenyon nichts weniger als die Weltherrschaft seines Klubs bestimmt, und er hat das weder lustig noch ironisch gemeint.

Bayern gegen Chelsea, das ist ein Duell zweier Wirtschaftssysteme. Altes Kapital gegen neues, Festgeld gegen Ölmilliarden, Bodenständigkeit gegen Globalisierung. Vor ein paar Jahren war Chelsea noch der Klub der Londoner Punkszene, heute gehören dem Klub die Sympathien von – ja von wem eigentlich? Der FC Chelsea hat sich in Rekordzeit zum vielleicht besten, aber auch unbeliebtesten Verein Europas entwickelt. Das liegt zu gleichen Teilen an der Einkaufswut des Herrn Abramowitsch und der Skrupellosigkeit seines Trainers José Mourinho. Und so dürfte den gemeinhin als arrogant und schnöselig verschrienen Münchnern in der Champions League noch eine zweite ungewohnte Erfahrung zuteil werden: Die Fans aus ganz Europa werden ihnen die Daumen drücken. Na ja, die aus Dortmund vielleicht nicht.

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