Sport : Festliche Niederlage

Zum 40. Jubiläum der Bundesliga verliert der Hamburger SV 0:2 gegen den Meister aus München

Karsten Doneck

Hamburg. Anfangs herrschte noch eine geradezu euphorische Erwartungshaltung. Hamburg war willens, stürmisch Geburtstag zu feiern: 40 Jahre Fußball-Bundesliga, Punkt 17 Uhr war es so weit. Jubel brach aus in der AOL-Arena, als der Zeiger der Uhr umsprang. Lotto King Karl, ein Barde mit hohem Bekanntheitsgrad im Norden, schmetterte über den Stadionlautsprecher sein rockiges Geburtstagsständchen. Doch mit der guten Laune im Stadion war es eindreiviertel Stunden später vorbei. Da hatte der Hamburger SV, das einzige verbliebene Gründungsmitglied der Ersten Bundesliga, daheim gegen den FC Bayern München mit 0:2 (0:1) verloren. Das Team sieht mit nur einem Punkt aus vier Spielen und dem erbärmlichen Torverhältnis von 2:11 nun ziemlich düsteren Zeiten entgegen. Gegen die Bayern hat der HSV übrigens letztmals am 11. Februar 1996 gewonnen. Wem war da noch zum Feiern zumute?

Der FC Bayern hatte in der AOL-Arena technische Vorteile, spielte dadurch eleganter und variierte das Tempo geschickt. Der HSV wehrte sich, indem er sich mit Eifer in die Zweikämpfe stürzte. Und dabei manchmal zu übereifrig war. Collin Benjamin säbelte schon nach 18 Sekunden Spielzeit an der Außenlinie Ze Roberto um und sah dafür gleich die Gelbe Karte. Schon wenig später ermahnte Schiedsrichter Markus Merk den Hamburger ein zweites Mal. Statt zu reagieren und Benjamin auszuwechseln, übte sich Trainer Kurt Jara in Gleichmut. Die Quittung folgte kurz nach der Pause: Wieder foulte Benjamin den über links angreifenden Ze Roberto, Merk zückte wieder Gelb und Rot gleich hinterher. In Unterzahl reduzierten sich die Chancen des HSV beträchtlich, die zu diesem Zeitpunkt durch Pizarro führenden Bayern noch in Verlegenheit zu bringen. Dennoch kam Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld zu der Erkenntnis: „Der HSV hat nach dem Platzverweis gut reagiert.“

Doch gegen eine clevere Elf wie die des deutschen Rekordmeisters sprang nur eine Chance heraus. Naohiro Takahara hatte sich im Strafraum gegen Robert Kovac durchgesetzt, scheiterte aber an Torhüter Oliver Kahn. „Den Ball hat Kahn sensationell gehalten, das war absolute Weltklasse“, schwärmte Hitzfeld. Effektiver waren da die Bayern. Der drei Minuten zuvor eingewechselte Giovane Elber beseitigte mit dem 2:0 alle Zweifel am Bayern-Sieg.

Nach der Verpflichtung von Roy Makaay für 18,5 Millionen Euro ist Elber nur noch Ersatz. Ihm werden Abwanderungsgedanken nachgesagt. „Ich will bleiben“, sagte Elber nach der Partie in Hamburg. Vermutungen, er könne ein Angebot aus Moskau annehmen, wies er kategorisch zurück. „Da gehe ich mit Sicherheit nicht hin.“ Neben dem AS Monaco soll auch Olympique Lyon am Brasilianer interessiert sein. Angeblich liegen dem FC Bayern auch schon finanzielle Angebote aus Frankreich vor.

Vielleicht macht sich Elber auch deshalb Hoffnung, bei den Münchnern eine neue Chance zu bekommen, weil Makaay wenig Glanz verbreitete. Zwei Chancen hatte er, einmal scheiterte er an Torwart Pieckenhagen, das andere Mal setzte er den Ball knapp neben den Pfosten. „Er hat Fortschritte gemacht“, lautete das diplomatische Urteil von Hitzfeld.

Weitaus deutlichere Töne wurden beim HSV angeschlagen, zum Beispiel von Marcel Maltritz. Der Mittelfeldspieler schimpfte auf dem Weg in die Kabine lauthals drauflos. „Im Moment stimmt bei uns gar nichts. Wir machen hinten Fehler, in der Mitte Fehler, und vorne fehlt die Durchschlagskraft. So kann man in der Bundesliga nicht bestehen.“ Klingt da vielleicht schon die Sorge durch, den 41. Bundesliga-Geburtstag nicht mehr mitfeiern zu können?

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