Festnahmen : Offenbar neuer Fußball-Wettskandal

Im internationalen Fußball bahnt sich ein neuer Wettskandal an - mit Drahtziehern in Deutschland. Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle in "hochrangigen europäischen Fußballligen" sollen Spiele manipuliert haben.

Bochum/BerlinBerlin/Istanbul - Lange nichts mehr von Robert Hoyzer gehört. Der betrügerische Schiedsrichter ist vor vier Jahren rechtskräftig verurteilt worden, er hat eine Haftstrafe abgesessen und arbeitet heute im Vertrieb eines Verlages. Mit Hoyzer war es auch um manipulierte Fußballwetten ruhig geworden. Das ist jetzt vorbei. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum am Donnerstag sagte, ermittelt die Behörde gemeinsam mit der Bochumer Polizei seit Anfang des Jahres gegen eine international agierende Bande, der Wettbetrügereien in „hochrangigen europäischen Fußballligen“ zur Last gelegt wird. Im Mittelpunkt steht die türkische Süperlig. Und wie im Hoyzer-Skandal führt die Spur nach Berlin.

Am Donnerstag seien hierzu im In- und Ausland mehrere Objekte durchsucht und Personen festgenommen worden. Nach Recherchen von „Spiegel TV“ sollen sich auch die wegen Wettbetrugs vorbestraften Brüder Milan und Ante S. unter den Verdächtigen befinden. Beide hatten im Wettskandal um Hoyzer die Fäden gezogen. Ante S. wurde im Jahr 2005 wie Hoyzer vom Landgericht Berlin zu einer Haftstrafe verurteilt. Laut Staatsanwaltschaft sind die Beschuldigten verdächtig, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle der Ligen gegen Schmiergelder dazu veranlasst zu haben, den Ausgang von Spielen zu manipulieren.

In der Türkei waren die Behörden am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Vor einigen Wochen hatte die Presse jedoch über Ermittlungen der Uefa gegen 16 türkische Vereine wegen mutmaßlicher Manipulationen bei acht Begegnungen berichtet. Berichte über Unregelmäßigkeiten auch in der „Süperlig“ tauchen immer wieder auf. So sollen reiche Vereinsbosse die Spieler gegnerischer Mannschaften kurz vor wichtigen Spielen mit Bargeld bestochen haben. Ein ehemaliger Schiedsrichter sagte vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus, etwa 80 Prozent des türkischen Fußballs seien „schmutzig“. Tsp

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