Sport : Feuer für Berlin

Die olympische Fackel besucht die Stadt Ende Juni

Benedikt Voigt

In den nächsten Wochen wird bei Siegfried Eifrig am Schlachtensee in Berlin das Telefon wieder öfter klingeln. „Jahrzehntelang war es ruhig“, sagt der 94-Jährige, „aber seit einiger Zeit geht es alle vier Jahre wieder los.“ Alle vier Jahre, das ist der Rhythmus, in dem die Olympischen Sommerspiele ausgetragen werden, und das ist auch der Anlass, warum so viele regelmäßig bei Siegfried Eifrig anrufen. Sie alle wollen wissen, wie es damals war, als er 1936 als Fackelträger mit dem olympischen Feuer Unter den Linden entlanglief. In diesem Jahr werden es wohl besonders viele Anrufe, denn erstmals seit 1936 wird das olympische Feuer nach Berlin zurückkehren.

Am 30. Juni werden 120 Läufer die Fackel durch Berlin tragen. Gestern stellte unter anderem der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Klaus Steinbach, die Pläne für den Fackellauf vor. Dabei wird die Flamme ungefähr der Marathonstrecke folgen. „Sie wird an allen wichtigen Punkten in Berlin vorbeikommen“, sagt Dieter Krickow, Geschäftsführer des Deutschen Olympischen Instituts.

Am Morgen des 30. Juni treffen das Feuer und sein Begleittross in zwei Boeing 747 aus München ein, ab 12 Uhr wird es durch Berlin getragen. Auch dem Kanzleramt soll die Fackel einen Besuch abstatten. Am Alexanderplatz und beim Berliner Turnverein am Columbiadamm wird sie, wie Krickow sagt, „jeweils eine halbstündige technische Pause einlegen“. Während der Abschlussveranstaltung ab 18 Uhr auf dem Pariser Platz wird das Feuer dann in einer Schale lodern. Die meisten Kosten werden durch Sponsoren abgedeckt. „Es bleibt eine Summe von rund 30 000 Euro übrig“, sagt Krickow. Dafür wird der Senat aufkommen müssen.

Erstmals tourt die Flamme in diesem Jahr durch alle früheren Olympiastädte, ehe sie am 13. August bei der Eröffnungsfeier der 21. Olympischen Sommerspiele im Athener Olympiastadion eintrifft. Dort brennt sie bis zum Ende der Spiele am 29. August. Berlin ist für das olympische Feuer ein besonderer Ort, da hier 1936 der inzwischen traditionelle Fackellauf erstmals stattgefunden hat. In diesem Jahr feiert der Lauf eine erneute Premiere: Erstmals reist das Feuer durch alle Kontinente. Das war eine Idee des Athener Organisationskomitees. Die Athener wollen noch nicht, dass die Namen der Fackelläufer verkündet werden. Offiziell, um die Namen zu überprüfen und Doppelläufer zu verhindern. Doch ein Funktionär sagt: „Die wollen die Namen selber bekannt geben.“ Dennoch veröffentlichten die beiden Hauptsponsoren, die jeweils 40 Läufer benennen durften, bereits einige Läufer: Hürdensprinter Mike Fenner, Ex-Zehnkämpfer Christian Schenk, Fußball-Botschafter Holger Obermann, die Rudererin Manja Kowalski und der Gründer der RBB-Laufbewegung, Hajo Seppelt, werden in Berlin laufen. Ein Sponsor wählte sogar den DJ Dr. Motte, der so nach der Absage der Love Parade doch noch einen Freiluft-Auftritt in Berlin bekommt.

Sie alle laufen auf Siegfried Eifrigs Spuren. Der rüstige Rentner, der seit 75 Jahren Mitglied des SC Charlottenburg ist, hat für seinen Einsatz vor 68 Jahren eine silberne Fackel erhalten, auf der eingraviert ist: „Als Dank dem Träger“.

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