Sport : Feuer unterm Dach

Süper Kupa in Frankfurt am Main: Besiktas schlägt Galatasaray 1:0

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Es sind Lebensträume, die da gestern vor den Toren der Commerzbank-Arena in Erfüllung gingen. Wer etwa in das Gesicht von Sezer Demir und seiner Familie blickte, der sah einen strahlenden Familienvater, dem ob des ungewöhnlichen Ereignis fast die Worte fehlten. „Ich hätte ja nie gedacht“, sagte der seit 1974 in Frankfurt am Main lebende Türke, „dass ich einmal das Derby Galatasaray gegen Besiktas hier erleben werde.“

Etwas weniger erfreut hat der bekennende Galatasaray-Anhänger nach dem türkischen Supercupendspiel das Stadion verlassen: Dank eines Tores seiner brasilianischen Neuverpflichtung Marcio Nobre siegte Besiktas 1:0 – Nobre ist genau jener Stürmer, dem Trainer Jean Tigana mehr zutraut als dem in Ungnade gefallenen Ailton, der die Reise nach Frankfurt gar nicht mehr mitgemacht hatte und händeringend einen deutschen Verein sucht. Ebenso verzweifelt scheint übrigens der von Erik Gerets betreute Meister Galatasaray noch seine Form zu suchen, dabei sind die Qualifikationsspiele für die Champions League für den hoch verschuldeten Klub schon von existenzieller Bedeutung.

Im Grunde ist ja der sportliche Wert des türkischen Supercups genauso zweifelhaft wie jener des deutschen Ligapokals. Doch beim TFF Süper Kupa, so die offizielle Bezeichnung, ging es ja um mehr. Das Spiel zwischen Meister und Pokalsieger nicht in der Türkei, sondern in Deutschland auszutragen, war nicht nur ein Indikator für die fortschreitende Globalisierung des Fußballs, sondern auch eine Botschaft des türkischen Verbandes: „Wir wollen unseren vielen Anhängern in Deutschland Gelegenheit geben, ein solches Spiel zu erleben“, sagte der Generalsekretär Lutfi Aribogan. Frankfurt am Main war – im Vergleich zu Gelsenkirchen oder Dortmund – dabei der billigste Anbieter gewesen.

30 000 türkischstämmige Bürger strömten aus allen Teilen Deutschlands auf das Frankfurter Stadionareal und entfachten genau das türkisch geprägte Flair, das sich die Stadion Frankfurt Management GmbH und deren Geschäftsführer Patrik Meyer gewünscht hatte. „Wir wollten zeigen, dass wir mehr als ein Eintracht-Stadion sind“, sagte Meyer, der zudem eine Miete von 150 000 Euro verbuchen durfte. Die Ticketeinnahmen strich komplett der türkische Verband ein.

Rot-gelb gewandete Galatasaray-Anhänger und in schwarz-weiß gehüllte Besiktas-Fans hatten vor dem Stadion penible Kontrollen über sich ergehen lassen müssen, um zu verhindern, dass Feuerwerkskörper in die Arena geschmuggelt werden. Doch es mutete wie Ironie an, als kurz vor dem Anpfiff auf dem Rasen von türkischen Bevollmächtigten ganz offiziell schwarze Rohre aufgestellt wurden, um Ohren betäubende Knallkörper und große Feuerbomben zu zünden, nach denen übel riechender Rauch durch die Arena zog. Ergo: Ohne Pyrotechnik fehlt dem türkischen Fußball offenbar etwas Elementares. Und auch auf den Rängen gab es trotz aller Kontrollen bengalisches Feuer zu sehen.

Wenn am 6. September das EM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen Malta ebenfalls in Frankfurt stattfindet, dann darf und wird es solche Szenen nicht geben: Wegen der skandalösen Ausschreitungen in der WM-Qualifikation müssen diese und zwei weitere Partien (gegen Moldawien und Norwegen) unter Ausschluss der Öffentlichkeit vonstatten gehen – vermutlich auch in Frankfurt. Eine Auflage, die dem Stadionbetreiber bereits mächtig Arbeit beschert. „Wir werden das Stadion weiträumig absperren müssen“, sagt Stadionmanager Meyer, „denn türkische Fans wollen ihre Autos möglichst nah am Stadion parken, um per Lautsprecher ihre Mannschaft von draußen anzufeuern.“

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