Sport : Feuern und heuern

Claus Vetter

Seit Mittwochabend kann sich Uli Egen ausgiebig mit seinen Urlaubsplänen befassen. Der EHC Eisbären zog die Konsequenz aus einer vier Spiele andauernden Negativserie und setzte seinen Trainer vor die Tür. Ein Nachfolger ist bereits gefunden, Pierre Pagé unterschrieb einen Vertrag, der bis zum Saisonende läuft. Der 51-jährige Kanadier wird schon heute das Training bei den Eisbären leiten.

Seit November 2000 war Uli Egen Cheftrainer der Eisbären. Damals kam der Füssener als Nachfolger des Kanadiers Glen Williamson. Egen trug seine Beurlaubung gestern mit Fassung: "Natürlich bin ich enttäuscht. Aber derartiges bringt der Job eben mit sich. Der Verein musste ja irgendwie reagieren." Dass haben die Berliner freilich nicht irgendwie getan. Pierre Pagé ist in der Eishockeyszene durchaus eine Größe. Der Kanadier war fast zwei Jahrzehnte in der nordamerikanischen Profiliga NHL als Trainer aktiv, betreute die Quebec Nordiques, die Calgary Flames und die Anaheim Mighty Ducks. Außerdem war Pagé Trainer des Teams Kanada. Zuletzt verdiente er sein Geld beim Schweizer Erstligisten HC Ambri Piotta.

Ein renommierter Trainer soll es also richten - nur 15 Spieltage vor Ende der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Ein mutiger Versuch, der an den Dienstantritt von Kent Forsberg erinnert: Vor zwei Jahren kam der vormalige schwedische Nationalcoach fast zum gleichen Zeitpunkt als Nachfolger des Trainers Peter John Lee zu den Eisbären. Zu Saisonende war der Klub weiter von den Play-off-Rängen entfernt als vor Forsbergs Amtsantritt. Der Schwede kannte die DEL vor seinem Engagement in Berlin nicht, Pagé steht vor dem gleichen Problem. Momentan rangieren die Berliner auf Platz neun, kommt der Wechsel da zum rechten Zeitpunkt? "So konnte es nicht weitergehen, es fehlte die Konstanz", sagt Peter John Lee, inzwischen Eisbären-Manager.

Unvermittelt kam Uli Egens Abgang nicht. Am Dienstag verließ Detlef Kornett bereits nach dem ersten Drittel der letztlich verlorenen Partie gegen Iserlohn das Sportforum Hohenschönhausen. Der mächtigste Mann der europäischen Filiale des Eisbären-Eigners, der Anschutz-Gruppe aus Denver, hatte genug gesehen. Dabei hat besonders Kornett sich häufig als Meister im Verkaufen der Sportpolitik à la Anschutz profiliert. Bei Anschutz werde nicht das in der Branche sonst übliche "Hire and Fire" (Heuern und Feuern) betrieben, hat Kornett nicht nur einmal betont. Und Chris Reynolds hat Ähnliches noch am gestrigen Mittwoch erzählt. Der Sportchef der europäischen Dependance der Anschutz-Gruppe gab noch eine Stunde vor Egens Beurlaubung zu Protokoll: "Der Trainer steht nicht zur Diskussion."

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