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Fia-Entscheid : Keine weitere Strafe für Ferrari wegen Teamorder

Ferrari ist in der Teamorder-Affäre von Hockenheim glimpflich davongekommen und kann die erfahrenen WM-Punkte behalten. Lediglich die ohnehin schon verhängte Geldstrafe wird fällig.

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Felipe Massa (l.) lässt Fernando Alonso in Hockenheim den Vortritt. Punkte bekommt Ferrari deswegen nicht abgezogen.
Felipe Massa (l.) lässt Fernando Alonso in Hockenheim den Vortritt. Punkte bekommt Ferrari deswegen nicht abgezogen.Foto: dpa

Die Stallorder ist seit Mittwochabend wieder gesellschaftsfähig in den Kreisen der Formel 1. Gegen eine vergleichsweise geringe Verwaltungsgebühr von 100.000 US-Dollar kann sich künftig wieder jeder Rennstall dieses Schachzugs bedienen, um seinen in der WM-Wertung favorisierten Fahrer auf Kosten seines Stallgefährten nach vorn zu beordern. Das ist die Quintessenz des Urteils in der Stallorder-Affäre um Ferrari, das der Weltrat des Automobil-Weltverbands (Fia) in Paris fällte.

Obwohl gemäß dem Regelwerk weitere Strafen von Punktabzug über eine Sperre bis hin zum WM-Ausschluss möglich gewesen wären, bestätigte der Fia-Weltrat am Mittwoch lediglich das bereits von den Hockenheimer Rennkommissaren verhängte Bußgeld von 100.000 Dollar gegen den italienischen Rennstall. Die WM-Punkte für den Doppelsieg vor dem Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel beim Großen Preis von Deutschland darf das Team behalten. Damit bleibt in der WM-Wertung vor dem Großen Preis von Italien in Monza am Wochenende alles beim Alten. Der derzeitige WM-Dritte Vettel hoffte umsonst darauf, durch eine Disqualifikation oder Rückstufung der Ferrari-Piloten nachträglich den Sieg und damit zehn Zähler mehr zuerkannt zu bekommen.

Dabei war der Doppelsieg der Roten in Hockenheim unter regelwidrigen Bedingungen zustande gekommen: Felipe Massa hatte bei dem Rennen seinen Teamkollegen Fernando Alonso nämlich auf recht eindeutige Anweisungen seines Renningenieurs Rob Smedley hin („Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Information verstanden hast?“) überholen lassen und ihm damit den Sieg überlassen müssen. Solche taktischen Maßnahmen sind in der Formel 1 eigentlich seit 2002 verboten.

Massa war vermutlich aus Verärgerung so demonstrativ vom Gas gegangen, dass der Hintergrund des Manövers jedem sofort offensichtlich war. Außerdem hatte der Brasilianer später selbst zugegeben, mehrfach zu einem Platztausch mit dem in der WM-Wertung besser platzierten Alonso gedrängt worden zu sein.

Wegen der eindeutigen Indizien hatte die Rennleitung in Hockenheim die Geldstrafe ausgesprochen, weitere Sanktionen aber dem Fia-Weltrat überlassen. Dessen Urteil war auch deswegen mit Spannung erwartet worden, weil der neue Fia-Präsident Jean Todt einst Teamchef bei Ferrari war. Obwohl sich Todt demonstrativ heraushielt, kam Ferrari um eine weitere Strafe herum. Und der Stallorder-Paragraph ist nach diesem Präzedenzfall nun praktisch wirkungslos.

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