Fia-Gericht : Formel 1 streitet um Strafe für Spionage

Die Fia wird die Spionageaffäre um möglicherweise von Mercedes entwendete Ferrari-Unterlagen neu verhandeln. Das Ergebnis der Verhandlung ist offen, doch ein Freispruch für Mercedes gilt als unwahrscheinlich.

Karin Sturm
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Ron Dennis -Foto: dpa

ParisOptimismus ist die eine Seite. „Zuversichtlich“ gehe man in die Anhörung vor dem Weltrat des Internationalen Automobilverbands (Fia) am Donnerstag. „Wir haben uns absolut nichts vorzuwerfen“, sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Die Fia wird die Spionageaffäre um möglicherweise von Mercedes entwendete Ferrari-Unterlagen neu verhandeln.

Es gibt aber auch die andere Seite. Da ist zum Beispiel die Fia-Gerichtsbarkeit, die hinter verschlossenen Türen stattfindet, ohne transparente Abläufe und Regeln, teilweise mit Entscheidungsträgern, die vor jedem ordentlichen Gericht als befangen abgelehnt würden. So ist der Vertreter des italienischen Automobilsportverbandes im Weltrat ein Geschäftspartner von Ferrari, der an dieser Zusammenarbeit schon Millionen verdient hat.

Das Ergebnis der Verhandlung ist offen, doch ein Freispruch für Mercedes gilt als unwahrscheinlich. Wobei sich nicht nur McLaren-Mercedes-Freunde im Fahrerlager die Frage stellen, ob es hier noch um eine Beurteilung objektiver Fakten geht. „Es wird immer kopiert, es werden auch immer Daten transferiert“, sagt der Schweizer Ex-Pilot und heutige TV-Experte Marc Surer. Selbst ein Mechaniker wisse über die Gewichtsverteilung der Autos Bescheid, weil er diese beim Wiegen sehe. Auch die Fia kenne die Gewichtsverteilung. „Diese Daten bleiben nicht geheim. Somit wird total überbewertet, was hier passiert ist“, sagt Surer. Er fragt sich, wie es möglich gewesen sein könne, dass 780 Seiten bei Ferrari verschwunden sind. „Das hat nicht ein Mann gemacht“, glaubt Surer. Auch der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart sieht das so: „2003 hatten wir die gleiche Situation, als Toyota Dinge von Ferrari übernommen hat. Trotz Beweisen gab es keine Diskussion über die Streichung von WM-Punkten. Warum heute?“

Die Antwort auf diese Frage liegt vielleicht auf politischer Ebene. Dass McLaren-Chef Ron Dennis im Fia-Präsidenten Max Mosley einen erbitterten Feind hat, ist bekannt, auch wenn der Neutralität beschwört. Auch sonst hat Dennis im Fahrerlager viele Gegner. Einen WM-Ausschluss wird Formel-1-Boss Bernie Ecclestone wohl verhindern. Auch weil das für die ganze Branche geschäftsschädigend wäre. Aber eine Aberkennung aller Punkte in der Konstrukteurs-WM könnte es geben. Karin Sturm

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