Fifa : Blatter: Deutschland kein Ersatzkandidat für WM 2010

Jetzt ist es raus. Deutschland wird für die WM 2010 nicht als Notausrichter gebraucht. Die WM wird auf jeden Fall in Südafrika ausgetragen. Nur eine "Naturkatastrophe" könne das verhindern, sagte Blatter. Im Konflikt um die Teilnahme von Fußball-Profis an den Olympischen Spielen deutete er eine Abkehr von der bisherigen Regelung an.

Sven Busch[dpa]
Blatter
Fifa-Boss Joseph Blatter -Foto: dpa

Peking Deutschland ist kein Ersatzkandidat für die Ausrichtung der WM 2010, und dem olympischen Fußball-Turnier droht eine massive Abwertung. In Zukunft sollen ältere Profis wie Ronaldinho von Olympia ausgeschlossen werden. "Wir wollen versuchen, dass in London 2012 nur noch U-23-Spieler dabei sind und es keine Ausnahmeregeln mit älteren Spielern mehr gibt", erklärte Fifa-Präsident Joseph Blatter in einem Interview und geht damit auf Opposition zu IOC-Präsident Jacques Rogge, der das Olympia-Turnier für alle Topstars ohne Alterbegrenzung öffnen will. Zudem bestätigt Blatter, es gebe zwei nicht-europäische Alternativ-Gastgeber für die WM 2010: "Wir können nicht zurück nach Europa gehen." Allerdings finde die WM nur dann nicht in Südafrika statt, "wenn eine Naturkatastrophe es verhindert."

Mitten in der olympischen Hektik war der Chef des Fußball-Weltverbandes Fifa im 17. Stock des feudalen Regent-Hotels in der chinesischen Hauptstadt die Ruhe selbst. Noch vor einer Woche hatte der Schweizer nach den Querelen um die Abstellung von Bundesliga-Profis ein flammendes Plädoyer für die Unterstützung des olympischen Turniers gehalten und Vereine und Verbände an den olympischen Geist erinnert. Nach der juristischen Niederlage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS soll jetzt alles anders werden und sogar der olympische Kompromiss, nach dem drei ältere Spieler pro Team erlaubt sind, soll bald der Vergangenheit angehören.

Olympia soll der WM keine Konkurrenz machen

"Meiner Ansicht nach sollten wir das Olympia-Turnier bei der heutigen Qualität der U-23-Spieler als U-23-Turnier belassen, die Abstellung dann aber zur Pflicht machen und das Gewohnheitsrecht durch einen Entschluss ersetzen", meint Blatter. Der globale Fußball-Boss will keine Konkurrenz zur WM - für die Fifa ist das wirtschaftlich lebenswichtig. Das CAS-Urteil der Vorwoche, nachdem die Vereine selbst die Profis im Alter von 23 oder jünger nicht für Olympia abstellen müssen, zwingt die Fifa zum Handeln. Bereits auf dem nächsten Kongress 2009 auf den Bahamas soll alles festgezurrt werden.

In den Fifa-Rahmenterminkalender wird das Olympia-Turnier aber auch in Zukunft nicht aufgenommen. "Das ist nicht möglich, weil in diesem Kalender nur die A-Länderspiele oder die Turniere der Konföderationen oder die Fifa-Turniere aufgeführt sind", sagt Blatter. Außerdem mache es die unterschiedliche Terminierung der Olympischen Spiele, "mal im Juli, mal im August, mal im September" unmöglich, da im Kalender nur Nischen vom 15. Juni bis 30. Juli vorgesehen sind.

Keine Weltstars für Olympia

Rogges Wunsch, ähnlich wie im Basketball oder Eishockey alle Weltstars bei Olympia zu vereinen, wird so schnell keine Wirklichkeit. "Das können wir nicht machen. Olympia möchte alles haben, möchte die Nationalmannschaften haben, aber das können wir nicht geben", so Blatter. Das Olympische Turnier sei aber trotzdem "keine Konkurrenz für die Fifa", behauptete der 72-Jährige. "Es war es nie, und wird es auch nie sein. Es wird nie eine zweite WM. Mit 16 Mannschaften ist das sowieso nie möglich." Im übrigen glaube er, dass "Olympia uns mehr braucht als andersrum". Schließlich werde Fußball von den Zuschauerzahlen her die Nummer eins bei Olympia sein.

Mit gleicher Entschlossenheit verteidigt Blatter sein Bestreben, sich mit der WM in Südafrika ein Vermächtnis schaffen zu wollen. "Es wird eine gute WM, aber es wird eine neue WM, eine neue Dimension. Es wird ein anderer Rhythmus reinkommen, eine andere Farbe", erzählt Blatter und weist jegliche Skepsis zurück: "Von der Organisation kann nichts schiefgehen." Auch der viel diskutierte Sicherheitsaspekt bereite ihm "keine schlaflosen Nächte".

"Wir sind uns bewusst, dass in Südafrika die Sicherheit ein spezifisches Problem ist, das uns beschäftigt, das aber noch mehr die südafrikanische Regierung beschäftigt", gibt er zu, "aber wir können diese Sicherheit nicht herstellen. Das ist eine Angelegenheit des Staates." Die medialen Dauergerüchte über eine mögliche Verlegung der WM lassen ihn kalt. "Ich habe die WM in Südafrika nie in Frage gestellt, aber es hat auch nichts geschadet, dass die Medien darüber berichten, denn jetzt ist Action reingekommen in Südafrika", kommentiert Blatter verschmitzt. Dort herrsche ein anderer Rhythmus, "manchmal auch eine gewisse Genügsamkeit". 

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