Fifa-Entscheidung : WM-Vergabe: Doppelter Skandal

Weltmeisterschaften sollen eine Messe des Fußballs sein, Spiegel des Sports und Dank an sein Publikum zugleich. Beide Prinzipien hat die Weltregierung des Fußballs bei der Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 der Lächerlichkeit preisgegeben.

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Katars Emir, Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani (l.) and Russlands Vize-Premierminister Igor Schuwalow mit dem Weltmeisterpokal, von dem sich Fifa-Präsident Joseph Blatter offenbar nicht gern trennt.Weitere Bilder anzeigen
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02.12.2010 17:22Katars Emir, Sheikh Hamad bin Khalifa al-Thani (l.) and Russlands Vize-Premierminister Igor Schuwalow mit dem Weltmeisterpokal,...

Russland und Katar – da muss man erst mal drauf kommen. Oder war die Fernsehübertragung gestern aus Zürich nur ein Fake, ein genialer Coup der neuen Hacker-Generation, die ein manipuliertes Filmchen mit einem gut gemachten Sepp-Blatter-Double am virtuellen Mikrofon ins weltweite Fernsehnetz gespeist hat? Immerhin, diese Hoffnung bleibt.

Weltmeisterschaften sollen eine Messe des Fußballs sein, Spiegel des Sports und Dank an sein Publikum zugleich. Beide Prinzipien hat die Fifa-Exekutive bei der Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 der Lächerlichkeit preisgegeben. Mit zwei Entscheidungen, die jetzt wahrscheinlich als Erschließung neuer Märkte verkauft werden und bei denen man nur zu gut weiß, dass es sich dabei um höchst private Märkte handelt.

Gewiss: Osteuropa war mal an der Reihe. Aber dass die russische Bewerbung eine unzulängliche war, verbunden mit unsinnigen Stadionneubauten und unsäglichen Reisestrapazen für Spieler und Fans, das hatte sogar die Fifa erkannt, oder vielmehr ihre Technische Komission, die das Gesuch aus dem Hause Abramowitsch unter vier europäischen Kandidaten auf Rang vier platziert hatte. Es gab jede Menge Gründe für England und Spanien/Portugal, ein paar auch für die Belgier und Holländer. Aber nur einen einzigen für Russland, und der betrifft nur die abstimmenden Mitglieder der Fifa-Exekutive und ihre Bankkonten.

Der Skandal um die Weltmeisterschaft in acht Jahren in Russland wird in den kommenden Wochen eine untergeordnete Rolle spielen, was weniger am Skandal an sich liegt, sondern an der ungleich größeren Dimension des Unrechts bei der Bakschisch-finanzierten Vergabe der WM 2022 in Katar. Russland wird erst durch Katar zur Farce und die Farce erst so zur systemimmanenten Logik. In der Wüste gibt es keine Fußball-Tradition, keine Fans, wahrscheinlich nicht mal einen Ball. Es gibt nur Sand und Geld, beides reichlich, und man darf wohl davon ausgehen, dass der Sand die Fifa-Exekutive nicht besonders interessiert hat.

Am Donnerstagnachmittag hat sich die Weltregierung des Fußballs endgültig demaskiert als ein im Paralleluniversum dahinvegetierender Seniorenklub, der sich bei seinen Entscheidungen entweder von Korruption oder von Altersschwachsinn leiten lässt, wahrscheinlich von beidem. Niemand kann diesen Zirkel noch ernst nehmen und ihm unterstellen, dass er die Interessen all derer vertritt, die dieses großartige Spiel lieben. Spätestens mit der Entscheidung von Zürich ist die Zeit gekommen für eine Revolution. Wer den Argentiniern die WM gibt, verärgert die Brasilianer, wer England nominiert, brüskiert Frankreich, aber wer die ganze Welt zum Narren hält, bekommt es hoffentlich auch mit der ganzen Welt zu tun. Ihr Spieler und Fans auf der ganzen Welt, die ihr den Fußball liebt und verehrt: Jagt Sepp Blatter und seine Spießgesellen zum Teufel! Holt euch das Spiel zurück!

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