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Fifa erweitert WM auf 48 Teams : Warum wir uns auf eine 48er-WM freuen sollten

Für den DFB und deutsche Fans ist die Fifa-Entscheidung für eine 48er-WM eine Horrorvorstellung. Dabei sollten wir unsere Qualitätsansprüche an eine WM nicht so hoch hängen. Ein Kommentar.

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Islands Fans genossen die EM 2016 - den Anhängern anderer kleiner Fußballländer wird es bei einer 48er-WM ähnlich gehen.
Islands Fans genossen die EM 2016 - den Anhängern anderer kleiner Fußballländer wird es bei einer 48er-WM ähnlich gehen.Foto: imago/Bildbyran

Die Fußball-Weltmeisterschaft verändert sich für immer. Und die Neuerungen sind ein radikaler Einschnitt. Von 2026 an werden an der WM 48 Mannschaften teilnehmen, 16 mehr als bisher. Das Turnier wurde also mal eben um 50 Prozent der Starter aufgestockt. Und die Zahl der Spiele erhöht sich von 64 auf 80. Doch das ist nicht die einzige Veränderung, die traditionsbewusste Fans verzweifeln lassen wird.

Da das Fifa-Council, das höchste Gremium des Fußball-Weltverbands, sich am Dienstag in Zürich für die 48er-WM auf einen Modus mit 16 Dreiergruppen geeinigt hat, wird in der Vorrunde das Unentschieden abgeschafft. Sollte es nach 90 Minuten remis stehen, gibt es sofort Elfmeterschießen. Damit soll verhindert werden, dass sich zwei Mannschaften im letzten Gruppenspiel absprechen, um beide in die K.o.-Runde zu kommen.

Eine WM, die fast so viele Starter hat wie ein großes Tennis-Turnier. Elfmeterschieß-Regeln wie beim Freizeit-Kick. Den Mächtigen der Fußballwelt scheint nichts mehr heilig, solange der Fußball weiter mehr Geld verspricht. Die Fifa hat natürlich schon berechnet, um wie viel sich ihre Einnahmen erhöhen würden: um etwa 600 Millionen Euro auf dann mehr als sechs Milliarden Euro mit einer WM.

Das klingt gigantoman, fernab jeder Realität. Völlig abgehoben von den Fans, die diesen wunderbaren Sport tragen.

Bei einer WM geht es vor allem um den Enthusiasmus der Fans

Und wenn man es allein auf die Profitgier bezieht, mag dieser Eindruck stimmen. Doch es lohnt sich auch, einen anderen Blick auf diese Entscheidung zu werfen. Denn die Fifa macht damit auch Fans von 16 weiteren Ländern sehr glücklich. 16 Länder mehr von überall auf der Welt können beim wichtigsten Turnier dabei sein. Selbst Ozeanien wird wohl einen festen Starter bekommen. Da kann man aus Sicht der großen Fußballnationen wie Deutschland natürlich sagen: Die Qualität wird leiden, das Niveau wird sinken – so wie bei der 24er-EM in Frankreich im vergangenen Jahr. Diese EM zeigte aber andererseits auch: Steigt der Anreiz, sich für solch ein Turnier zu qualifizieren, steigern auch kleinere Nationen ihre Bemühungen, dabei zu sein. So qualifizierten sich Island, Wales, Albanien oder Nordirland sicher für die EM und wären auch bei weniger Startern dabei gewesen. Die Fans dieser Länder, die im Sommer 2016 durch Frankreich reisten oder in ihrer Heimat zum ersten Mal bei Public Viewings ihrer Nationalmannschaften bei einem großen Turnier mitfiebern konnten, genossen die EM als emotionalen Höhepunkt. So wie wir Deutsche das Sommermärchen rund um die WM 2006.

Und zugleich waren Mannschaften wie Island oder Wales mitreißende Farbtupfer, die dem EM-Turnier einen neuen bunten Charakter verliehen haben. Ähnlich könnte es nun auch bei der 48er-WM sein, etwa mit herzerwärmenden Mannschaften aus Papua-Neuguinea oder Fidschi. Vielleicht sollten wir Deutschen von unserem hohen Qualitäts-Ross absteigen. Eine WM ist kein Trendsetter für das internationale Fußballniveau, diese Rolle hat schon seit langem die Champions League übernommen. Bei einer WM geht es vor allem um die Leidenschaft und den Enthusiasmus der Fans, die bei einem Turnier zusammenkommen und den Fußball feiern. Und solange die WM dies noch transportieren kann – trotz aller leider unvermeidlicher Marketing- und Sponsoren Begleiterscheinungen unserer Zeit – kann eine WM mit 48 Mannschaften auch ein begeisterndes Ereignis sein.

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