• Fifa-Ethikkomission berät über Sperre: Joseph Blatter drohen 90 Tage Platzverweis

Fifa-Ethikkomission berät über Sperre : Joseph Blatter drohen 90 Tage Platzverweis

Die Fifa-Ermittler fordern 90 Tage Freistellung für Joseph Blatter, schon am Donnerstag könnten die Ethikrichter den Chef des Weltverbandes sperren.

Dominik Bardow
Sepp Blatter und Michel Platini geraten im Fifa-Skandal immer mehr unter Druck.
Sepp Blatter und Michel Platini geraten im Fifa-Skandal immer mehr unter Druck.Foto: dpa

Der Richter, der heute wohl über die Suspendierung von Joseph Blatter entscheidet, ist eigentlich ein ganz gemütlicher Bayer. Hans-Joachim Eckert, ein stämmiger 67-Jähriger mit weißem Haar und eckiger Brille, ist selten um einen flotten Spruch verlegen, der Münchner Dialekt ist dabei unverkennbar. In der Sache kann Eckert jedoch sehr formalistisch sein nach über 30 Jahren in der Justiz, zuletzt war er als Strafrichter am Landgericht mit Wirtschaftskriminalität betraut. Sein größer Fall kommt aber wohl noch.

Denn Eckert ist aktuell Vorsitzender der Ethikkommission der Fifa. Und in dieser Funktion berät er in dieser Woche in Zürich mit seinen Kollegen aus der rechtsprechenden Kammer über heikle Personalien: Weltverbands-Chef Blatter und Michel Platini, Uefa-Präsident sowie Fifa-Vize. Das hat nun ein senegalesisches Mitglied der Ethikkommission ausgeplaudert. Zumindest Blatter droht dabei eine sofortige Sperre. Die Untersuchungskammer der Ethikkommission hat ermittelt und fordert nun eine 90-tägige vorläufige Freistellung des Fifa-Präsidenten. Das verriet Blatters persönlicher Berater Klaus J. Stöhlker am Mittwochabend.

Blatter müsste sofort sein Büro räumen

Der Fifa-Chef müsste umgehend sein Büro räumen und dürfte kein Fußballstadion mehr betreten. Nach Tagesspiegel-Informationen könnte schon heute eine Entscheidung fallen. Die Freistellung ist nach einer lebenslanger Sperre das zweithärteste Schwert, das Eckert und seinen Fifa-Richtern zur Verfügung steht. Laut Stöhlker haben sie noch nicht darüber entschieden, Blatter habe „ruhig“ reagiert und wolle am Donnerstag ins Büro kommen. Falls die Ethikwächter den Fifa-Chef tatsächlich aussperren, wäre das eine Sensation.

Die rechtsprechende Kammer berät neben Blatter offenbar auch über die beiden Präsidentschaftsbewerber Platini und Chung Mong-Joon. Das hatte der Sitzungsteilnehmer Abdoulaye Makhtar Diop aus dem Senegal ungewohnt indiskret einer Nachrichtenagentur mitgeteilt. Der Südkoreaner Chung hatte zuletzt selbst davon gesprochen, ihm drohe eine 19-jährige Sperre durch das Fifa-Gremium.

Blatter klagt, er fühle sich "vorverurteilt"
Die Ethikkommission darf laut Statuten keinerlei Auskünfte erteilen. Auch Ermittlungen gegen Blatter und Platini hat das unabhängige Gremium, das die Fifa selbst eingesetzt hat, nie bestätigt. Dabei stehen sogar zwei Vorwürfe gegen Blatter im Raum. Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen den 79-Jährigen eröffnet, wegen des Verdachts auf Veruntreuung. Und Blatter soll dem europäischen Verbandschef Platini 2011 über zwei Millionen Franken gezahlt haben. Die Erklärung, es sei das Gehalt für Beraterdienste gewesen, die über zehn Jahre zurück liegen, überzeugte offenbar auch die Ethikkommission nicht. Plausibler wirkt, dass Blatter Stimmen für seine Wiederwahl kaufen wollte. Ob auch Platini eine Sperre droht, war zunächst unklar.

Die Ethikkommission besteht aus zwei Kammern, Rechtsprechung und Untersuchung, im Prinzip wie Richter und Staatsanwälte. Die Anwälte haben nach mehrtägiger Untersuchung offenbar dafür plädiert, dass Blatter suspendiert werden soll. Eckert und seine Richter beraten nun darüber. Sie könnten den Fifa-Präsidenten vorläufig freistellen wie einst Franz Beckenbauer bei der WM 2014. Die Sperre könnte noch einmal um 45 Tage erweitert werden oder sogar unbegrenzt, falls Blatter etwa in Haft säße. Über einen richtigen Strafantrag für eine lebenslange Fifa-Sperre würde erst Wochen oder Monate später entschieden. Ironischerweise klagt Blatter in einem Donnerstag erscheinenden „Bunte“-Interview, er fühle sich vorverurteilt. Und dass er bis Februar 2016 im Amt bleibe. Diese Pläne könnte nun ein gemütlicher Bayer mit einem Richterspruch durchkreuzen.

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