Sport : Fifa: Gute und schlechte Neuigkeiten für Blatter

Martin Hägele

Nichts mag Sepp Blatter lieber, als der Welt gute Nachrichten mitzuteilen. Aus diesem Grund ist der ehemalige Chef der Schweizer Sportzeit-Messung vor 26 Jahren ins große Fußballgeschäft umgestiegen. Der Walliser wollte, wie er gestern im internationalen Korrespondentenklub von Tokio erklärte, ein Missionar seiner Branche sein. Seither hat er niemals selbst dringender gute Botschaften gebraucht als am Ende seines dritten Jahres im Amt des Fifa-Präsidenten. Denn die finanzielle Unsicherheit, die der Bankrott des Marketing-Partners ISL ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Japan und Korea ausgelöst hat, trifft nicht nur den Verband, sie wird in erster Linie Boss Blatter persönlich angelastet. Einmal ganz abgesehen von den 60 Millionen Schweizer Franken, die über schwarze ISL-Konten verschwunden sind, und den damit zusammenhängenden Bestechungs-Gerüchten.

Der Pate vom Zürichberg braucht also Erfolg - und neue Freunde mit gutem Ruf und Geld. Davon konnte er am Donnerstag gleich drei präsentieren: den japanischen Elektronikkonzern Toshiba, NTT, Nippons größtes Kommunikationsunternehmen, sowie die amerikanische Software-Firma Avaya. Erstaunlich ist es, dass die jüngsten Geschäftsfreunde des Weltverbands innerhalb solch kurzer Frist an Land gezogen wurden. Die zu diesem Zweck gegründete Marketing-Abteilung der Fifa, die sich zum großen Teil aus ehemaligen Mitarbeitern der ISL-Fußball-Fraktion rekrutiert hat, ist schließlich erst seit drei Wochen im Amt.

Nicht nur die Werbeexperten der japanischen und koreanischen WM-Veranstalter sind mittlerweile sicher, dass sich das Debakel der Fifa-Hausagentur im Nachhinein positiv aufs Geschäft auswirken wird. Auch in atmosphärischer Hinsicht. Denn nun können Firmen, Weltverband sowie die beiden asiatischen Organisationskomitees direkt und ohne auf große Provisionen orientierte Mittelsmänner miteinander verhandeln.

Blatter, von dem gemeinhin behauptet wird, er sei am stärksten, wenn er mit dem Rücken zur Wand stehe, kämpft während des Konföderationen-Cups an allen möglichen Fronten. Der Zeitpunkt des Cups und die gegenwärtigen Umstände bieten schließlich ein ideales Forum für sportpolitische Umstürzler. So jettet er zwischen Seoul und Tokio nach Laos und Kambodscha, besucht Hanoi und Ho-Tschi-Minh-Stadt, denn bei der Präsidentenwahl in zwölf Monaten zählen die Stimmen der Entwicklungsländer genauso wie die aus Deutschland, Frankreich oder Brasilien. Dass er zwischen dem Halbfinale und Endspiel am Sonntag gern auch noch mal in Zürich vorbeigeschaut hätte, weil er der Loyalität seines Generalsekretärs Michel Zen-Ruffinen anscheinend nicht mehr traut, beweist nur, wie zerrissen die Verhältnisse sind. Blatter verlässt sich nur noch auf seinen eigenen Hofstaat, mit unlängst verpflichteten persönlichen Beratern.

Andererseits kann er damit rechnen, dass die Europäer diesmal mit dem südkoreanischen Verbandschef Chung Mong Joon paktieren könnten. Chung, einer der Söhne des Hyundai-Gründers, erhebt immer direkter Anspruch auf Blatters Posten. Obwohl sich der Schweizer auf dem Terrain seines Konkurrenten ganz bewusst zurückhält. Der Etikette halber spielt Blatter brav Diplomat beim Thema Korea. Denn längst gilt als beschlossene Sache, dass es weder ein WM-Spiel hinter dem letzten eisernen Vorhang noch eine gemeinsame WM-Mannschaft aus beiden Teilen Koreas geben wird.

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